Beiträge getaggt mit The Body

Highlights 2016: Herausragende Tracks

Das Krampfjahr 2016 ist zwar seit ein paar Monaten Geschichte, doch irgendwie will es sich immer noch nicht ganz abschütteln lassen, schließlich ist seine Aufarbeitung bis hierhin zu einer scheinbar nichtLogo Unsoundaesthetics 2016 enden wollenden Odyssee verkommen. Aber damit soll jetzt, wo sogar schon der kalendarische Frühlingsanfang überschritten wurde, endlich mal Schluss sein!

Bleibt final also nur noch zu klären, welche Songs beziehungsweise Musikstücke sich eine kleine Würdigung verdient haben. Worten, denen – wer hätte das geahnt? – im Anschluss an diese Einleitung ‚Taten‘ (also, das heißt eigentlich weitere Worte) folgen werden. Wichtig zu wissen: Diese Auswahl soll keine vollumfängliche Repräsentation dessen darstellen, was der Blogbetreiber für die ‚besten‘ Tracks des abgelaufenen Jahres hält, sondern umfasst lediglich Musik, die nicht bereits über die zehn Albumfavoriten abgedeckt wurde, und ist auch eher als Ergänzung zu dieser Liste zu verstehen.

Hinweis: Zusätzlich zu den eingebetteten Playern befinden sich (Alternativ-)Links jeweils in den Tracktitel-Überschriften, über die man zu den besprochenen Songs gelangt. Im Notfall sollte also möglichst jeder die Gelegenheit haben, sich die aufgeführten Musikstücke anhören zu können.

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Highlights 2015: Top 10 Tracks

Keine Sorge, diesmal gibt es keinen langen Einleitungstext, ein paar Worte sollten ausreichen. Schließlich ist die folgende Liste der besten Songs, die das 2015er-Special vervollständigt, aus praktischen Gründen mal etwas schlanker ausgefallen, wodurch auch ein paar Dopplungen vermieden werden. Das hier ist also definitiv die letzte Rückschau aufs vergangene Jahr – versprochen! Unsound-Logo WP2015

PS: (Alternativ-)Links zu den Songs, falls die eingebetteten Player aus irgendeinem Grund nicht funktionieren sollten, gibt’s in den jeweiligen Track-Überschriften! 

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Highlights 2014: 25 herausragende Musikstücke

Was hatte 2014 musikalisch zu bieten? Um diese Frage ging es hier vor kurzem ja schon bei der Suche nach den Album-Highlights des abgelaufenen Jahres – eine äußerst knifflige Angelegenheit –, doch keine Jahresbilanz ist eben vollständig ohne eine Auswahl der herausragenden Songs/Musikstücke. Aber auch die ist nicht leicht getroffen, denn so eine Liste füllt sich viel zu schnell und es ist schade um jeden hörenswerten Titel, der herausgestrichen werden muss…

Teile der Musikpresse hatten indes berechtigten Grund dazu, in 2014 das Jahr des Körpers zu erkennen: allen voran im Gesamtkunstwerk von Kritikerliebling FKA Twigs, die R’n’B beim Feuilleton wieder salonfähig machte, während irritierende, zerfließende Körperinszenierungen bei Arca eher sinnbildlich für sich auflösende Grenzen der Geschlechtsidentität stehen. Pharmakon hingegen geht es um den leibhaftigen, fleischlichen Körper als Gegensatz zum Geist. Perc und Lawrence English andererseits verstehen ihre stark auf das Physische abzielende Musik als politischen Wachmacher für die Gesellschaft. Das Somatische spielt sicherlich auch bei Künstlern wie z.B. Ben Frost, Vessel oder – wer hätte das gedacht? – The Body eine Rolle.

Davon mal abgesehen, ist die Musikwelt aber natürlich viel zu divers, um sie auf einen Trend herunterzubrechen… was auch nicht Ziel dieser Auswahl gewesen ist – die Vielfalt soll sich gefälligst widerspiegeln. Die Rankings nehmen dafür eine andere zentrale Rolle für den Blog ein, denn sie repräsentieren das hier vorherrschende Musikverständnis auf essenzieller Ebene. In erster Linie ist die Zusammenstellung aber natürlich als – hoffentlich unterhaltsam gestaltete – Anregung zum Hören und Entdecken gedacht. Viel Spaß!

PS: Wer die eingebetteten Soundcloud- oder Bandcamp-Player nicht abspielen können sollte, findet in den jeweiligen Tracktiteln der Überschriften einen Direktlink zur Alternativquelle (Vimeo, YouTube), bei der man sich den entsprechenden Song anhören kann.

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Highlights 2014: Top-Alben

Ganz ehrlich: Niemand mag frühe Jahresrückblicke, die einem schon Anfang Dezember allerorts aufgedrängt werden. Deswegen… na gut, auch wegen anderer Gründe, kommt mein Highlight-Ranking für 2014 auch später als alle anderen! Wie schon im letzten Jahr gilt natürlich auch diesmal das Credo: Vollständige oder objektive Bestenlisten gibt es nicht, sie bleiben stets Ausschnitte ohne Universalitätscharakter – eine persönliche Selektion nach individuellen Kriterien. Und trotzdem fiel es mir diesmal sogar schwer, eine für die eigenen Maßstäbe zufriedenstellende Rangliste zu kreieren.

2014 erschien mir in musikalischer Hinsicht nämlich in der Spitze sehr dicht gestaffelt, nur wenig hat sich daher wirklich für eine ‚Ehrung‘ aufgedrängt. Zwar gab es durchaus viele gute und sehr gute Alben, jedoch kaum besonders hervorstechende, brillante, mitreißende Werke, die meine subjektiven Knöpfchen zu drücken wussten. Oder lag es vielleicht an enttäuschten Erwartungen? Manche mit Vorfreude erwartete Alben gestandener Künstler konnten ihre Vorschusslorbeeren letztlich nicht ganz einlösen.

Beherrscht wurde das Jahr indes vor allem von Ambient- und Drone-Klängen, ätherisch-umwasserten Rock-/Pop-Formationen sowie ‚Hauntologen‘-Techno – es ist, als lege sich ein nebulöser Schleier um den Musikbetrieb unserer Zeit –, wohingegen viele bekannte Post-Rock-Bands solide Alben ohne größere Neuerungen nachlegten. Das Ranking haben diese Trends aber nicht unbedingt dominiert. Alles in allem war es ein knappes Rennen an der Spitze, mit vielen Anwärtern auf einen Startplatz, aber keinen echten Titelfavoriten. Nur eines kann ich vorab versprechen, Coldplay oder Kraftclub sind garantiert nicht darunter!

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Review: The Body – I Shall Die Here [2014]

The Body - I Shall Die Here (Cover)[ Erschienen bei RVNG Intl. (2014) / Bandcamp ]

Jeder von uns ist sein eigener Teufel, und wir machen uns diese Welt zur Hölle“, lautet ein erstaunlich zeitloser Satz von Oscar Wilde, welcher ein nicht gerade schmeichelhaftes Urteil über das Menschsein durchscheinen lässt. Auch Aufklärer Immanuel Kant verortet das Böse unmittelbar im Menschen – es steckt in uns allen und niemand ist davor gefeit. Ganz in diesem Sinne präsentiert sich auch das Album „I Shall Die Here“ der amerikanischen Experimental-Metaller The Body. Mit archaischer Brutalität und quälender Langsamkeit fegt das ambitionierte Werk über sämtliche humanistischen Wertvorstellungen, Rock-Klischees und schöngeistigen Kunstideale hinweg – ein wohltuend extremes Hörerlebnis, welches das innere Seelendunkel freisetzt. Die Titel der Songs allein sprechen Bände.

Verzerrte Gitarren-Drones, scheppernde Drums, sinistere Spoken Word-Samples und gnadenlose Noise-Attacken prägen das Soundbild des Albums, lassen dieses zur hervorragenden Grenzerfahrung für aufgeschlossene Hörer werden. Das Verderben kommt langsamen Schrittes, aber unaufhaltsam – monoton und monolithisch bohrt es sich durch den Gehörgang bis ins Innerste. All das mit einer Wucht und Intensität, die ihresgleichen sucht. Wer bei diesem Höllenlärm noch von Minimalismus als Konzept sprechen möchte, ist selbst schuld. Das ist Suizid-Musik.

Einen Gutteil seiner Faszination und Originalität verdankt „I Shall Die Here“ dabei den speziellen Umständen seiner Entstehung, genauer gesagt einer ungewöhnlichen Zusammenarbeit zwischen The Body und Bobby Krlic, den man besser unter dem Namen The Haxan Cloak kennt. Der Engländer, dem im letzten Jahr mit dem avantgardistischen Sensationsalbum „Excavation“ (hier zur Kritik) ein Überraschungserfolg gelang, hat bei jedem Song persönlich Hand angelegt. Tatsächlich hat Krlic das von der amerikanischen Band bereitgestellte Rohmaterial vollständig neu arrangiert und mit eigenen Facetten versehen. Damit ist er für die finalen Versionen der Tracks zuständig gewesen, weshalb er mindestens den halben Anteil am Gelingen des Albums trägt. Erstaunlich ist also, dass er hier nicht offenkundig als künstlerisch Verantwortlicher neben The Body geführt wird, zumal die Handschrift des Briten permanent präsent ist. Das zeigt sich insbesondere an den ungemein druckvollen Bässen und aufreibenden Synthie-Sprenklern, aber auch wenn es um Dynamik, den geschickten Einsatz von ‚Raum‘ bzw. Stille und unerwartete Twists geht.

Es dauert nicht lange, bis das Werk seinen perfide entschleunigten Terror entfaltet: Ein gelooptes obskures Kreischen, wie man sich das einer Hexe vorstellt, läutet „To Carry the Seeds of Death Within Me“ ein, wenig später kommen metallische, mit Hall unterfütterte Drumschläge und schabende Gitarrenklänge hinzu. Auch das folgende „Alone All The Way“ dröhnt genial bösartig, dass es eine wahre Freude ist und hält die fast unerträgliche Spannung bis zum Schluss, sodass man sich weiterer Todeswalzen gewiss sein kann. Mit herkömmlichem Sludge und Doom Metal hat das übrigens nur noch recht wenig gemein, bewegen sich die Tracks eher in einer Grauzone zwischen Drone, Industrial, Dark Ambient/Horrorfilmmusik und den genannten Genres.

Die Vocals der Zwei-Mann-Truppe aus Rhode Island lassen sich mehr als ein hysterisches, beinah unverständliches Keifen denn als Gesang bezeichnen. Sie dienen deswegen eher der Athmosphäre, statt als unmittelbarer Bedeutungsträger zu fungieren. In der ersten Albumhälfte befindet sich diese exzentrische stimmliche Darbietung dicht an der Grenze zur unfreiwilligen Komik, doch im weiteren Verlauf wandelt sich dieser Eindruck immer mehr in Verstörung; eine Komponente, die den Tracks einen gewissen Wahnsinn verleiht. So auch im großartigen „Hail To Thee, Everlasting Pain“. Mit eiskalten elektronischen Beats und Synthie-Spitzen beginnend, mündet der Aufbau in einer markerschütternden Kakophonie aus Folterschreien, Quietschgeräuschen, durchdringenden Percussions und anderen Noise-Trümmern. „Our Souls Were Clean“ begeistert mit ähnlichen Qualitäten, integriert aber sogar auf fabelhafte Weise ‚gewöhnliche‘ Gitarrenriffs. „Darkness Surrounds Us“ hingegen leistet sich nervöse, disharmonische Grusel-Streicher, die ihre zermürbende Wirkung nicht verfehlen.

I Shall Die Here“ ist ein grandioses Album, das dem Hörer einen tiefen Blick in die eigenen Abgründe eröffnet. Der radikale Ansatz erlaubt es, existenzielle Fragen jenseits aller verklärten Heile-Welt-Vorstellungen zu stellen: Wenn der Mensch an sich gut ist, wo liegt dann die Quelle des Bösen? Ist das Schlechte auf der Welt nur das Vakuum infolge der Abwesenheit des Guten oder hat es eine eigenständige Qualität? Angesichts der sechs nervenzerfetzenden, wenig hoffnungsvollen Stücke bleibt jedoch das beunruhigende Gefühl zurück, dass es sich von Anfang an nur um spöttisch-rhetorische Fragen gehandelt haben muss. Wenn du nicht zur Hölle fährst, dann kommt die Hölle eben zu dir.

Tracklist:
01. To Carry The Seeds Of Death Within Me 
02. Alone All The Way 
03. The Night Knows No Dawn
04. Hail To Thee, Everlasting Pain 
05. Our Souls Were Clean 
06. Darkness Surrounds Us

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