Beiträge getaggt mit Leila Abdul-Rauf

Highlights 2015: Top 10 Tracks

Keine Sorge, diesmal gibt es keinen langen Einleitungstext, ein paar Worte sollten ausreichen. Schließlich ist die folgende Liste der besten Songs, die das 2015er-Special vervollständigt, aus praktischen Gründen mal etwas schlanker ausgefallen, wodurch auch ein paar Dopplungen vermieden werden. Das hier ist also definitiv die letzte Rückschau aufs vergangene Jahr – versprochen! Unsound-Logo WP2015

PS: (Alternativ-)Links zu den Songs, falls die eingebetteten Player aus irgendeinem Grund nicht funktionieren sollten, gibt’s in den jeweiligen Track-Überschriften! 

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Highlights 2015: Die besten Alben

Und schon wieder eine Bestenliste! Überall tauchen sie auf, besonders am Jahresende, von den kleinsten Blogs bis zu den reichweitenstärksten Magazinen, alle bombardieren sie die Welt mit ihren inflationären Rankings. Da reiht man sich doch nur zu gerne ein, jedoch durfte die folgende, durchaus wohl überlegte Auswahl immerhin mehr als einen Monat lang heranreifen, um sich nun drastisch verspätet, aber …nennen wir es mal…  einigermaßen vollendet zu präsentieren, sofern dies überhaupt möglich ist.

Beim Verfassen dieser Zeilen stellt sich ein gewisser Déjà-vu-Effekt ein, deswegen sei auf die Einleitung des letzten Jahres verwiesen und an dieser Stelle nur kurz angemerkt, dass es bei der schieren Menge an veröffentlichter Musik einfach unmöglich ist, ihr in irgendeiner Weise gerecht zu werden. Denjenigen, die das hier lesen, wurde die Qual der Wahl damit hoffentlich ein wenig aus der Hand genommen. Vielleicht sagt die Selektion der Titel aber auch mehr über die Person aus, die sie vorgenommen hat, als über das Musikjahr 2015 – wer weiß das schon?

Fest steht hingegen – um ein bisschen Pathos in die Sache zu bringen –, dass Musik eines der wenigen Bollwerke gegen die Unannehmlichkeiten der Existenz darstellt und gleichzeitig, sofern sie mehr als bloße Ablenkung sein möchte, trotzdem in jene Realität eingebunden, also nicht vom Leben abgekoppelt ist. Das einleitende Geschwafel beschließe ich also in der Überzeugung, dass die unten gelisteten Alben dies gerade bewerkstelligen, indem sie der faden Mittelmäßigkeit und Austauschbarkeit entsagen und zum Kern der Dinge hervordringen.

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Review: Leila Abdul-Rauf – Insomnia [2015]

Leila Abdul-Rauf - Insomnia (Malignant Antibody)| Erschienen bei Malignant Antibody / Bandcamp (2015) / Cover Artwork von Mark Thompson |

„Müde bin ich, geh‘ zur Ruh‘ / Schließe beide Äuglein zu“ – Wer schon einmal ernsthaft unter Schlaflosigkeit, Alpträumen oder anderen Störungen der körpereigenen Regenerationsmechanismen gelitten hat, der weiß, wie spöttisch so ein harmloser Kinderreim für Betroffene klingen kann. Sollte es sich wider Erwarten nicht um einen bloßen Zufall handeln, so darf man sich über die Schlafhygiene kalifornischer Musikerinnen dieser Tage durchaus Sorgen machen. Chelsa Wolfe zum Beispiel verarbeitete ihre zermarternden Schlafparalyse-Erfahrungen ausgiebig in ihrem im Sommer 2015 veröffentlichten Hype-Album »Abyss«, während bereits im März dieses Jahres – wohlgemerkt unter deutlich weniger medialer Aufmerksamkeit – Leila Abdul-Raufs einschlägig betiteltes Zweitwerk »Insomnia« erschien. Doch wo erstgenannte Singer-Songwriterin sämtliche Lo-Fi-Überbleibsel der Vergangenheit abgestreift und der Musikgemeinde nun ihre bislang durchschlagskräftigste Produktion beschert hat, kommen Abdul-Raufs Soundscapes dagegen erheblich ruhiger und introvertierter, aber ähnlich eindrucksvoll daher. Ein möglicher Grund für diese Zurückhaltung könnte in dem einfachen Umstand liegen, dass die Künstlerin aus San Francisco seit vielen Jahren an unterschiedlichen Projekten im Extreme Metal- und Industrial-Bereich aggressivere Seiten ausleben konnte, demgegenüber ihre entschleunigten Solo-Arbeiten einen wohltuenden Ausgleich zu bilden scheinen.

Ethereal-, Drone- und Ambient-Elemente finden sich darin zusammen, in eine vorgefertigte Genre-Schublade lässt sich die Musik aber nicht zwängen. Stilistisch wie ästhetisch knüpft »Insomnia« an das tolle Debütalbum »Cold And Cloud« (2013, erschienen bei Saadi Saati) an, unterscheidet sich von diesem allerdings in einigen Nuancen. Was nicht bedeutet, das hier nicht ebenfalls jene in sich gekehrte Betrübtheit ihren Platz gefunden hat, die schon den Vorgänger auszeichnete, jedoch sind die Stücke nicht nur trist und grau ausgefallen. Schillerndes Mondlicht hellt von Zeit zu Zeit die nachtschattige Schwer- und Wehmut auf und gibt den flächigen Tracks einen geheimnisvollen Schimmer. Eine allzu klischierte Gothik-Romantik darf man sich darunter nicht vorstellen; vielmehr mischt sich eine verschwommene, geisterhafte Schönheit unter die nebelverhangenen Texturen, denen sie auf diese Weise zu traumwandlerischem Glanz verhilft. Welchem Aspekt man das größere Gewicht zugestehen möchte, hängt im Wesentlichen von der individuellen Wirkung auf den jeweiligen Hörer ab. Die herrliche Winterlandschaft auf Mark Thompsons großartigem Cover Artwork erweist sich dabei als durchaus treffendes Abbild dieser unterschiedlichen Dimensionen: Unschwer lässt sich die Szenerie als Ausdruck von Einsamkeit und Verzweiflung lesen, manch einer wird der verschneiten Stille aber ebenso eine friedvolle Erhabenheit attestieren wollen.

Für das klanglich-atmosphärische Fundament aus zumeist langgezogenen Tönen kommen unter anderem effektverfremdete, gedämpfte E-Gitarren-Feedbackschleifen und verschiedene Elektronik zum Einsatz, seltener treten Klavier- und Violinklänge hinzu. Die entscheidenden emotionalen Akzente setzt die Multiinstrumentalistin jedoch mit ihrem aufwühlenden Trompetenspiel. Darüber hinaus macht sie in einigen Stücken von ihrer Stimme Gebrauch, die mal wortlos als reines Texturelement eingesetzt, mal für den Vortrag von Liedtexten verwendet wird. Nicht nur aufgrund des gläsernen Sirenengesangs fühlt man sich momentweise – um mal einen bekannten Namen einzuwerfen – ein bisschen an Grouper erinnert; diesen Vergleich darf man aber nicht überstrapazieren, dafür ist der stilistische Ansatz von Leila Abdul-Rauf viel zu eigenständig.

Die elf Tracks fügen sich somit zu einem kohäsiven Gesamtbild zusammen, das zwischen den unwirklichen Verzerrungen der Nacht und der grüblerischen Realität im Angesicht des Schlafentzuges oszilliert. Mit angemessen geisterstündlicher Spukstimmung um »Midnight« beginnend und in den »Dark Hours of Early Morning« sinister endend, lässt sich sogar ein narrativer Faden ausmachen, dazwischen scheinen reduzierte Einschübe wie »Clock Glows« oder »Seconds Tick« den Ablauf der Nacht wiederzugeben. Anders ausgedrückt, handelt es sich also weniger um ein ‚klassisches‘ Ambientwerk, das quasi im Endlosen zirkuliert, noch um eine Sammlung disparater Stücke. Zutreffender dagegen erscheint der beinahe unausweichliche Vergleich mit einem Soundtrack/Score – nur mit umgekehrter Hierarchie, weil die Musik einen imaginativen Film beim Hörer entstehen lässt. Zu den Highlights in der ersten Albumhälfte gehört auf jeden Fall das entrückt schillernde »The Opening«. Das klaviergestützte »Pull (feat. Kat Young)« wiederum ist von allen Tracks derjenige, welcher nicht nur wegen seiner klar vorgetragenen Vokalpassagen noch am ehesten an einen konventionellen Song erinnert, was die atmosphärischen Qualitäten jedoch kaum mindert. Die Verse hierfür hat übrigens Leila Abdul-Raufs Mutter eingesungen. Bei »He Sits in His Room« ist sie dann wieder selbst am Mic zu hören. Und natürlich an der Trompete. Selbige durchdringt die unbeschreibliche Klanglandschaft mit solch eindringlicher Melancholie, das eine Gänsehaut praktisch vorprogrammiert ist. Überwältigungspotential, das auch die direkt darauf folgende, ungemein dichte Instrumentalkomposition »Wane« auszureizen weiß. Großartig.

Wenn auch nicht jeder Track derart heraussticht wie die oben beschriebenen Exemplare, ist »Insomnia« eine ziemlich runde und nahezu makellose Angelegenheit. Manchmal unterschwellig, aber niemals einfach dahinplätschernd. Ein fabelhaftes Album, das selbstverständlich den großen Menschenmassen fremd bleiben wird. Nichtsdestotrotz ist dennoch zu hoffen, dass es über das Dasein eines bloßen Geheimtipps hinauskommen wird. Verdient wäre es allemal.

Tracklist:
01. Midnight
02. Drift 
03. The Opening 
04. Clock Glows
05. Pull (feat. Kat Young)
06. Seconds Tick
07. Edges Of A Mirror
08. Absence 
09. He Sits In His Room 
10. Wane 
11. Dark Hours of Early Morning

 

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