Beiträge getaggt mit Electro

Video: PeterPaasch – NIEMANDHATDIEABSICHT

Niemand hat die Absicht…“ – fast jeder hierzulande hat eine eindeutige Assoziation, wie sich dieser Satz prominent vervollständigen ließe. Walter Ulbrichts unfassbare Mauerlüge vom 15. Juni 1961 erlangte traurige Berühmtheit und steht sinnbildlich für vier Jahrzehnte deutsch-deutscher Geschichte.

Rechtzeitig zum 25. Jahrestag des Mauerfalls erinnert der Hamburger Künstler PeterPaasch mit einer audiovisuellen Collage an dieses leidvolle Kapitel realsozialistischer Vergangenheit. In seinem aktuellen „Tanzhörspielchen“, wie Paasch seine Musik nennt, verwendet er O-Ton-Schnipsel aus Ulbrichts bekannter Pressekonferenz, um die er seine smarten, aber zugleich relativ eingängigen Beats herumbaut. „NIEMANDHATDIEABSICHT“ zeigt sich dabei als zweigeteilt: Gerät die erste Hälfte leicht vertrackt und setzt auf entfernt Kraftwerksche Melodien, ist die zweite Hälfte tanzbar und eher sphärisch ausgefallen.

Visuell wird der Track begleitet von einem Zusammenschnitt aus Archivaufnahmen aus der DDR – angefangen von Schwarz-Weiß-Material aus der Frühphase des Kalten Kriegs über dokumentierte Fluchtversuche bis zu den im kollektiven Gedächtnis verankerten Bildern der Grenzöffnung im Jahr 1989.

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Review: DANGER – July 2013 EP [2014]

DANGER - July 2013 (1789)[ Erschienen bei 1789 (2014) ]

„My music is for those who, like me, have grown up amongst the ruins of blockbusters. For them my bass trembles and my synths screech.”

Electro-Produzent DANGER steht in einer ganzen Riege von vornehmlich französischen Künstlern, die es zweifellos schaffen, sich mit ihren Arbeiten vom Gros der generischen Club-Musik abzuheben. Seine Tracks beinhalten viele Elemente, die an altmodische Synthesizer-Musik wie die von Klaus Schulze oder Jean Michel Jarre sowie an frühe Videogame-Soundtracks erinnern und vermischen diesen Retro-Chic mit der rotzigen Ed Banger Records-Knarzdisco. Trotz eigenständiger Ästhetik war dem Franzosen aber längst nicht so viel Aufmerksamkeit wie seinen Landsleuten Justice, Gesaffelstein oder Kavinsky vergönnt. Dabei legt er auch abseits des Musikalischen äußerst großen Wert auf sein künstlerisches Erscheinungsbild, präsentiert sich auf seinen stets spärlich beleuchteten Gigs als vermummte Gestalt mit Scheinwerfer-Augen irgendwo zwischen Venom aus dem Spiderman-Universum und Watchmens Rorschach. Das Artwork seiner Veröffentlichungen ist einheitlich in einer stilvollen, dunklen Comic-Ästhetik gehalten und auch die Namensgebung von Tracks und Platten folgt einem gleichbleibenden Muster: Die Zahlen im Tracktitel stehen mutmaßlich für die jeweilige Tageszeit ihrer Fertigstellung, während die Bezeichnungen der Releases wohl den übergreifenden Zeitabschnitt ihrer Entstehung repräsentieren – womit das erste Rätsel der EP „July 2013“ zumindest schon mal gelöst wäre. Dennoch bleibt DANGER eine nebulöse Schattenfigur der Electro-Szene Frankreichs, die sich etwa von einem Kavinsky samt dessen karikaturesk überzogenem 80‘s-Hipster-Image unterscheidet – es gibt hier kein Augenzwinkern, das Projekt wird mit entschiedener Ernsthaftigkeit vorangetrieben.

Die Qualität der Musik gibt jedoch wieder wenig Anlass für solch ein Versteckspiel: „July 2013“ ist eine imposante EP, die den filmischen Charakter im Vergleich zu ihren Vorgängern noch deutlich verstärkt. Die vier Tracks werfen Bombast und Dramatik in die Waagschale, ohne dabei in seelenlosen Hochglanzkitsch abzugleiten. „1:09“, das den Synthie-Reigen eröffnet, setzt auf einen beeindruckenden, groß angelegten Aufbau, der rund die Hälfte des Stücks andauert. Spät, also im zweiten Part des Openers kommen dann erstmalig Drums ins Spiel, die den Energielevel noch zusätzlich in die Höhe treiben. Beattechnisch kommt „July 2013“ schwerer und schleppender, fast schon ‚dubsteppiger‘ daher. Doch alle Electro-Connaisseure können an dieser Stelle beruhigt aufatmen, denn mit EDM-Prollmucke, die das Genre kommerziell vergewaltigt zurückließ, hat DANGERs neuestes Werk glücklicherweise nicht viel gemein. „1:13“ und „1:42“ dröhnen zum Beispiel eher in einer Linie mit den Hollywood-Arbeiten Hans Zimmers oder Daft Punks Beitrag zu „TRON: Legacy“. Freilich kann trotzdem nicht jeder mit so einem großspurigen Getöse etwas anfangen, ausgewiesene Minimalisten schon gar nicht, und im Club-Kontext macht die Chose zugegeben vergleichsweise wenig Sinn. Muss sie aber ja auch gar nicht. „1:30“ ist sogar DANGERs bislang möglicherweise mächtigster Track. Mit einer melancholisch-fragilen, leicht verstimmten Synth-Melodie beginnend, die an die Künste eines gewissen Richard D. James denken lässt, detoniert das geradlinige Stück bald darauf mit einer ungemein druckvollen, röhrenden Soundwand, die den Hörer schlichtweg in Ekstase versetzt. Spätestens dann erübrigen sich auch die letzten Zweifel ob der mangelnden Subtilität.

Mit „July 2013“ erweitert das Phantom von Lyon seinen markanten Stil um eine weitere Facette und wagt sich mit den vier Tunes der homogenen EP ein wenig aus der eigenen ‚comfort zone‘ – und es lauern noch viele Gefahren dort draußen.

Tracklist:
01. 1:09 
02. 1:13
03. 1:30 
04. 1:42

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Das kenn‘ ich doch irgendwo her… (2)

Daft Punk? Kennt man doch! Around the World, Anime-Filmchen, Robot Rock, Get Lucky… und zuletzt sogar einen Haufen Grammys für die Ärmsten. World Invasion: Check.
Doch lange bevor die amerikanische Musikindustrie den Helmträgern und ihrem Disco-Funk-Revival zu Füßen lag, als French House der neueste Schrei war und Hundewesen mit Radios durch die Großstädte zogen, waren sie durchaus auch mal für härtere Nummern zuständig, bei denen Omi und Opi nicht so leicht mitwippen konnten. Und wenn ich davon spreche, dann meine ich vor allem einen ganz bestimmten Track: Rollin‘ & Scratchin‘ (1997). Ein dumpf-monotoner Stampfbeat, der erst nach einer Weile zum crunchigen Bumm-Tschack ausgebaut wird und kratzig schrille Synthietöne, die teils wie ein mechanisches Zirpen, häufig kompromisslos schabend, aber immer unglaublich roh und brachial über, unter oder zwischen dem Beat Alarm machen, wodurch sie dem Tracktitel alle Ehre machen. Dieses Acid-hafte Geschubber eskaliert im Verlauf des Tracks dann regelrecht, sodass sich Schöngeister alter Schule wahrscheinlich einfach nur die Ohren zuhalten wollen angesichts der elektroakustischen Kakophonie. Gerade deshalb ist Rollin‘ & Scratchin‘ so ein wunderbar nonkonformes Teil, das mit seiner bis ans Stumpfe grenzenden Grobschlächtigkeit und Härte, sowie den effektiv-simplen Bassqualitäten prinzipiell die erste Anspielstation für jeden Subwoofer-Test darstellen sollte.

Dass Boys Noize ein großer Daft Punk-Verehrer ist, die beiden Franzosen zu seinen absoluten Idolen zählt, sollte sich mittlerweile längst rumgesprochen haben. Mitunter äußert sich das auch merklich im Sound, zuletzt etwa bei seinem 2012er Album „Out of the Black„. Es wäre natürlich ein Leichtes gewesen, den Vocoder-geschwängerten Electro von „Touch It“ als eine einzige Daft Punk-Hommage herauszustellen, doch um diesen etwas zu offensichtlichen Schluss geht es hier nicht.

Werfen wir doch lieber stattdessen einen Blick auf „Stop„. Ja genau, das ist der Tune, der schon vom Namen her nach deutscher Maschinenmusik klingt, und nicht nach funkiger Franzosen-Disko. Und siehe da! Ein Techno-Brett, ebenso kompromisslos, synthetisch und rau wie Rollin‘ & Scratchin‘, das zu allem Überfluss auch noch verblüffende konzeptuelle Ähnlichkeit mit Daft Punks Track aufweist, einzig die eingestreuten Sprachsamples scheinen sich von der Vorlage klar abzuheben. „Stop“ kann somit meines Erachtens sogar als äußerst gelungenes 2012er Update durchgehen – und ist natürlich ebenso als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für unterforderte Tieftöner geeignet…

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Highlights 2013: Top-Alben

Mit ganz viel Verspätung hat es jetzt endlich auch die Rückschau auf meine persönlichen Highlights des vergangenen Musikjahres online geschafft. Natürlich hat diese kleine Zusammenstellung keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder Vollständigkeit, und es warten sicher noch einige versäumte Werke darauf, nachgeholt zu werden. Dazu passt dann auch meine ziemlich willkürliche Eingrenzung auf eine Top 7, die ich selbstverständlich nur deshalb mit Rangpositionen versehen habe, um etwas künstliche Spannung zu generieren. Oder um es anders zu sagen: hier sind einfach ein paar Alben versammelt, die es nach meinen Maßstäben verdient haben, noch ein mal extra gewürdigt zu werden. Los geht’s!

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Video: Gesaffelstein – Hate Or Glory

Werd‘ zu Gold oder stirb bei dem Versuch: Ein paar Tage mehr hat das Video ja mittlerweile schon auf dem Buckel, als dass ich es als Neuigkeit verkaufen könnte, dennoch halte ich es für so sehenswert, dass ich es hier nicht unerwähnt lassen möchte.

In Gesaffelsteins aktuellem Clip scheint die Welt wie aus den Angeln gehoben. Gekippte Kamerawinkel und langsame Fahrten unterstreichen die gewohnt unterkühlte Klangwelt und die edelmetallharten Midtempo-Beats. Nachdem der großartige Mindfuck-Hochglanz-Videoclip zur ersten Single „Pursuit“ zu Recht zwei UK Music Video Awards abgestaubt hat, erzählt die visuelle Umsetzung von „Hate Or Glory“ ein fast surreales, urbanes Neuzeitmärchen, angesiedelt in einem US-amerikanischen Ghetto. Inhaltlich stehen mit Gier und Macht, dem Motiv von Aufstieg und Fall, zwar altbewährte Themen typischer Gangstergeschichten auf dem Programm, aber in dieser bizarren Variation hat man sie wohl noch nie gesehen…

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