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Highlights 2016: Die besten Alben

Jetzt, wo sämtliche Jahresrückblicke längst vergessen und fragwürdige Awards bereits medienwirksam an die üblichen Verdächtigen verteilt worden sind, lasse auch ich mir eine persönliche Abrechnung mit 2K16 nicht nehmen, muss dazu aber leider ein wenig ausholen…

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Review: Vatican Shadow – Media In The Service Of Terror [2016]

Vatican_Shadow-Media_in_the_service_of_terror-cover-660x660| Erschienen bei Hospital Productions (2016) |

Dass wir unser gesamtes Wissen über die Welt aus den Massenmedien beziehen, wie es ein gewisser Gesellschaftstheoretiker (ausgerechnet aus Bielefeld) mal erkannt haben wollte, ist längst zum vielzitierten Sinnspruch geworden. Zumindest, wenn man diesen auf das Zeitgeschehen und weltpolitische Zusammenhänge der jüngeren Vergangenheit verengt, lässt sich seine Gültigkeit nur schwer in Abrede stellen. Im ähnlichen Maße, wie wir uns der Abhängigkeit von jenen Informationsquellen bewusst geworden sind, erscheint wiederum die Annahme, dass Medien ihre eigene Wirklichkeit erzeugen beileibe nicht mehr wie mehrheitsfernes, abwegiges Geschwafel einiger ‚postmoderner‘ Intellektueller. Wie gesunder Zweifel bei entsprechendem Nährboden und mangels Differenzierungsvermögen in fundamentalen Irrsinn umschlagen kann, zeigt sich ja dieser Tage symptomatisch im Boom von Verschwörungstheorien und unreflektiert-generalisierendem Medienbashing. Unbestreitbar ist es aber für den Einzelnen verdammt schwer geworden, wenn nicht immer schon unmöglich gewesen, alle Informationen aus erster Hand zu erlangen und zu überprüfen, geschweige denn sich angesichts ihrer komplexen Verflochtenheit einen befriedigenden Überblick der Geschehnisse auf dem Planeten zu verschaffen.

Dominick Fernows Nebenprojekt Vatican Shadow nimmt sich dieser Unübersichtlichkeit und schieren Undurchdringlichkeit an, welche kennzeichnend ist für ein globalisiertes, vernetztes Zeitalter, in dem wir zwar mit Informationen überflutet werden, zugleich aber nicht ganz grundlos den ständigen unangenehmen Verdacht hegen müssen, dass gerade die entscheidenden Details uns verwehrt bleiben; und in dem wir trotz ihrer Omnipräsenz oft den gleichen, zumindest aber zum Verwechseln ähnlichen und daher quasi austauschbar gewordenen Medienbildern ausgesetzt sind. Es ist dieses alltägliche Durcheinander von Tickermeldungen, Schlagzeilen, Fotografien, Telepromptergefasel, Video- und Audioaufnahmen mit all seinen Implikationen, welchem durch das bruchstückhafte Spiel mit Artwork, Albentiteln und Trackbezeichungen in den Arbeiten Vatican Shadows entsprochen wird. Der eigentliche Kampf um Deutungshoheiten hingegen interessiert Fernow – und das ist lobenswert konsequent – allerhöchstens sekundär. Sein starkes Augenmerk auf den erwähnten außermusikalischen Komponenten (manch ein Klugscheißer spricht hier auch gerne von sogenannten Paratexten), kreisend um dieselben unscharf markierten, in ihrem Zusammenspiel zugleich enorm suggestiven Themenfelder (US-Militär, Geheimdienste, Naher Osten, Terrorismus, Religion,…), brachten dem Betreiber des renommierten Underground-Labels Hospital Productions – verbunden mit seinem unverschämt hohen Output – durchaus mal den Vorwurf ein, dass die Musik zunehmend zur Nebensache werde und die Idee des Projektes nun so langsam ausgereizt sei. Tracktitel wie »More of the Same« könnte man als polemischer Kritiker natürlich leicht zum überfälligen Eingeständnis von Ideenlosigkeit umwenden.

Tatsächlich stellt Fernow das Konzept über alle darin enthaltene Einzelelemente. Coverabbildungen zum Beispiel sind keine bloßen Dreingaben zur Audiospur, sondern integraler Teil der Gesamterfahrung. Die Soundcollagen dienen als eine Art auditiver Teppich, der den Schlagworten (etwa »Ziad Jarrah Studied Mathematics«), den entkontextualisierten Fotos und Textstellen, Ausdruck verleiht – und umgekehrt. Die Datenträger-Veröffentlichung von »Media in the Service of Terror« beinhaltet sogar eine Mini-Zeitung. Nach und nach zeichnet sich so ein rätselhaftes, unmöglich dechiffrierbares Mosaik aus den vielfältigen multimedialen Steinchen ab, die Fernow nebeneinander legt. Damit ist ebenso klar, dass sich die imaginative Kraft von Vatican Shadow gerade auch über einzelne Releases hinaus entfaltet, da mit jedem neuen Werk das Bisherige erweitert wird, ohne jemals so etwas wie den Eindruck des Vollständigen zu erreichen.

Der Urheber erliegt zum Glück nicht der Versuchung, das Chaos sinnhaft zu ordnen. Ganz anders als seine musikalische Inspirationsquelle Muslimgauze verfolgt Fernow außerdem keine (geo)politische Agenda. Weder sollen offizielle Narrative demontiert werden, noch die eine gültige Wahrheit aufs Brot geschmiert werden. Vielmehr wird dem Abnehmer ein beträchtlicher Vorstellungsraum eröffnet, in dem er assoziieren und darüber reflektieren kann, ob und wie Verknüpfungen zwischen den aus ihren Ursprüngen herausgelösten Bedeutungssplittern generiert werden können. Vor allem aber liegt der Reiz im Ausstellen des Ungewissen und Geheimnisvollen, das hier an die Stelle lückenloser Welterklärungsmodelle tritt.

Doch wie äußert sich diese Desinformationsstrategie konkret in der musikalischen Ausgestaltung? Bislang habe ich hier klarzumachen versucht, dass man die einzelnen Bausteine im Dienste des Konzeptes als untrennbar behandeln sollte. Dennoch möchte ich natürlich ein paar Worte über die ‚hörbaren‘ Aspekte verlieren. Wenig hitparadengerecht, wie man sich denken kann, dafür der Grundidee umso stärker verpflichtet, werden Song-Schemata genauso entschieden gescheut wie lineare narrative Verläufe, wenngleich hier und da mal Layer oder Patterns zwischenzeitlich erscheinen oder verschwinden. Eher technoider Tradition entsprechend, gibt es keine klaren Anfänge und Enden, kommen Übergänge zwischen den Tracks abrupt. Nimmt »Media in the Service of Terror« die Maximen der Repetition auch weniger ernst als manch ältere VS-Erscheinung, muss hier trotzdem von einer Absage an formale Geschlossenheit, dramaturgische Bögen und gewöhnliche Album-Kontinuität die Rede sein.

Knatternde Rhythmus-Skelette bilden dabei nach wie vor häufig den Fixpunkt der evokativen Loops, deren weitere Bezugslinien zu Ambient und Industrial weisen. »More of the Same« präsentiert sich dahingehend fast schon wie ein Dancefloor-Kandidat, den man sich mit ein wenig Fantasie aber durchaus auch in den Sets einschlägiger Berliner Clubs vorstellen könnte. »Ziad Jarrah Studied Mathematics« dagegen verfügt über ein deutlich weniger scharf konturiertes Beatgerüst. Hier werden atmosphärische Flächen und diskret knisternde Hi-Hat-Schleifen in feiner Regelmäßigkeit durch ferne Detonationen erschüttert. Das erfrischend kurze »Wherever There Is Money There Is Unforgiveness« rasselt sich durchsetzt von metallischen Geräuschen durch fabelhafte dreieinhalb Minuten. Und »Interrogation Mosaic« ist wieder so ein Lehrstück aus der Kategorie hintergründigen Gedankenkinos, wie sie die der geneigte Hörer liebgewonnen haben dürfte.

Dient Dominick Fernow das Pseudonym Prurient als Ventil für stark persönlich eingefärbte Noise-Exzesse, so verschwindet seine Person bei Vatican Shadow vollständig hinter dem Alias. Mysteriös ist denn auch das Attribut der Wahl für solche Musik, die einem das Gefühl verabreicht, geradezu endlos im Unklaren zu verharren, während sich das geistige Auge unweigerlich in Versuchen ergeht, den Blick über verschlossene Geheimdienstakten wandern zu lassen, konspirative Treffen mit dubiosen Mittelsmännern zu beäugen oder den unretouchierten Schrecken einer aschfahlen zerbombten Krisenregion zu Gesicht zu bekommen. Das Tappen im Dunkeln, in diesem Fall hat es jedenfalls Methode.

Tracklist:
01. Ziad Jarrah Studied Mathematics
02. More Of The Same
03. Take Vows
04. Wherever There Is Money There Is Unforgiveness
05. Interrogation Mosaic
06. Take Vows (The Inevitable Bitterness Of Life)
07. More Of The Same (Tunisia) 

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Video: Mark Pritchard – Sad Alron

Da hat es sich doch wirklich gelohnt, mal wieder bei Warp Records vorbeizuschauen – obwohl es zugegebenermaßen einige Sekunden bei mir gedauert hat, bis sich aus dem diffusen Grübeln à la „der Name kommt mir bekannt vor“ eine eindeutige Assoziation herausschälen konnte. Mark Pritchard ist mir bis dato lediglich als die eine Hälfte des inzwischen lange zurückliegenden Projekts Global Communication, auf welches der unsterbliche Downtempo-/Ambient-Techno-Meilenstein »76:14« von 1994 zurückgeht, zu Ohren gekommen. Eine denkbar einfache 10-Sekunden-Recherche ergibt, dass der gute Mann aber in den letzten zwei Dekaden äußerst aktiv gewesen ist und beständig Werke veröffentlicht hat. Spätestens an dieser Stelle wird die eigene Bildungslücke eklatant… Shame on me!

Nun ja, »Sad Alron«, um dies schon mal vorwegzunehmen, liefert mehr als überzeugende Argumente dafür, Pritchards Back-Katalog zumindest mal einer Stippvisite zu unterziehen. Ein faszinierendes Kleinod, diese Komposition! Jonathan Zawadas zugehörige Bilder sind ferner ein wahrer Glücksfall, da sie die evokative Magie des Ausgangswerks nicht entzaubert, sondern im Gegenteil noch dessen enigmatische Strahlkraft multipliziert! Keine drei Minuten lang ist die audiovisuelle Symbiose, doch durchaus epochal. Bild und Ton wirken dabei wirklich wie füreinander geschaffen. Langsame Kamerafahrten durch (teil)colorierte Canyons mit wechselfarbenem ‚Himmelszelt‘, knallbunte geometrische Objekte, irreale Gesteinsformationen und stakkatoartiges Morphen des Horizonts entführen in ein fantastisches Terrain, das niemals einem bedeutungsschwangeren Bombast anheim zu fallen droht.

Es liegt natürlich nicht fern, angesichts des Szenarios an »2001: Odyssee im Weltraum« zu denken, jedoch tummelt sich Zawadas Clip ebensowenig im überfüllten Pastiche-Planschbecken der Kubrick-Kopisten (das gibt 10 Gummipunkte auf’s Alliterationskonto!). »Sad Alron« bleibt ähnlich rätselhaft, erscheint aber zugleich auch unverbindlich, sodass es problemlos auf ästhetischer Ebene für sich selbst stehen kann, ohne den semantischen Ballast einer Entschlüsselung zu bedürfen. Auf musikalischer Ebene blitzt indes die »76:14«-Grandeur unverkennbar auf. Vormerken sollte man sich den 12. Mai, dann kommt nämlich Pritchards Album »Under The Sun« in den Handel.

 

 

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Highlights 2015: Die besten Alben

Und schon wieder eine Bestenliste! Überall tauchen sie auf, besonders am Jahresende, von den kleinsten Blogs bis zu den reichweitenstärksten Magazinen, alle bombardieren sie die Welt mit ihren inflationären Rankings. Da reiht man sich doch nur zu gerne ein, jedoch durfte die folgende, durchaus wohl überlegte Auswahl immerhin mehr als einen Monat lang heranreifen, um sich nun drastisch verspätet, aber …nennen wir es mal…  einigermaßen vollendet zu präsentieren, sofern dies überhaupt möglich ist.

Beim Verfassen dieser Zeilen stellt sich ein gewisser Déjà-vu-Effekt ein, deswegen sei auf die Einleitung des letzten Jahres verwiesen und an dieser Stelle nur kurz angemerkt, dass es bei der schieren Menge an veröffentlichter Musik einfach unmöglich ist, ihr in irgendeiner Weise gerecht zu werden. Denjenigen, die das hier lesen, wurde die Qual der Wahl damit hoffentlich ein wenig aus der Hand genommen. Vielleicht sagt die Selektion der Titel aber auch mehr über die Person aus, die sie vorgenommen hat, als über das Musikjahr 2015 – wer weiß das schon?

Fest steht hingegen – um ein bisschen Pathos in die Sache zu bringen –, dass Musik eines der wenigen Bollwerke gegen die Unannehmlichkeiten der Existenz darstellt und gleichzeitig, sofern sie mehr als bloße Ablenkung sein möchte, trotzdem in jene Realität eingebunden, also nicht vom Leben abgekoppelt ist. Das einleitende Geschwafel beschließe ich also in der Überzeugung, dass die unten gelisteten Alben dies gerade bewerkstelligen, indem sie der faden Mittelmäßigkeit und Austauschbarkeit entsagen und zum Kern der Dinge hervordringen.

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Review: Leila Abdul-Rauf – Insomnia [2015]

Leila Abdul-Rauf - Insomnia (Malignant Antibody)| Erschienen bei Malignant Antibody / Bandcamp (2015) / Cover Artwork von Mark Thompson |

„Müde bin ich, geh‘ zur Ruh‘ / Schließe beide Äuglein zu“ – Wer schon einmal ernsthaft unter Schlaflosigkeit, Alpträumen oder anderen Störungen der körpereigenen Regenerationsmechanismen gelitten hat, der weiß, wie spöttisch so ein harmloser Kinderreim für Betroffene klingen kann. Sollte es sich wider Erwarten nicht um einen bloßen Zufall handeln, so darf man sich über die Schlafhygiene kalifornischer Musikerinnen dieser Tage durchaus Sorgen machen. Chelsa Wolfe zum Beispiel verarbeitete ihre zermarternden Schlafparalyse-Erfahrungen ausgiebig in ihrem im Sommer 2015 veröffentlichten Hype-Album »Abyss«, während bereits im März dieses Jahres – wohlgemerkt unter deutlich weniger medialer Aufmerksamkeit – Leila Abdul-Raufs einschlägig betiteltes Zweitwerk »Insomnia« erschien. Doch wo erstgenannte Singer-Songwriterin sämtliche Lo-Fi-Überbleibsel der Vergangenheit abgestreift und der Musikgemeinde nun ihre bislang durchschlagskräftigste Produktion beschert hat, kommen Abdul-Raufs Soundscapes dagegen erheblich ruhiger und introvertierter, aber ähnlich eindrucksvoll daher. Ein möglicher Grund für diese Zurückhaltung könnte in dem einfachen Umstand liegen, dass die Künstlerin aus San Francisco seit vielen Jahren an unterschiedlichen Projekten im Extreme Metal- und Industrial-Bereich aggressivere Seiten ausleben konnte, demgegenüber ihre entschleunigten Solo-Arbeiten einen wohltuenden Ausgleich zu bilden scheinen.

Ethereal-, Drone- und Ambient-Elemente finden sich darin zusammen, in eine vorgefertigte Genre-Schublade lässt sich die Musik aber nicht zwängen. Stilistisch wie ästhetisch knüpft »Insomnia« an das tolle Debütalbum »Cold And Cloud« (2013, erschienen bei Saadi Saati) an, unterscheidet sich von diesem allerdings in einigen Nuancen. Was nicht bedeutet, das hier nicht ebenfalls jene in sich gekehrte Betrübtheit ihren Platz gefunden hat, die schon den Vorgänger auszeichnete, jedoch sind die Stücke nicht nur trist und grau ausgefallen. Schillerndes Mondlicht hellt von Zeit zu Zeit die nachtschattige Schwer- und Wehmut auf und gibt den flächigen Tracks einen geheimnisvollen Schimmer. Eine allzu klischierte Gothik-Romantik darf man sich darunter nicht vorstellen; vielmehr mischt sich eine verschwommene, geisterhafte Schönheit unter die nebelverhangenen Texturen, denen sie auf diese Weise zu traumwandlerischem Glanz verhilft. Welchem Aspekt man das größere Gewicht zugestehen möchte, hängt im Wesentlichen von der individuellen Wirkung auf den jeweiligen Hörer ab. Die herrliche Winterlandschaft auf Mark Thompsons großartigem Cover Artwork erweist sich dabei als durchaus treffendes Abbild dieser unterschiedlichen Dimensionen: Unschwer lässt sich die Szenerie als Ausdruck von Einsamkeit und Verzweiflung lesen, manch einer wird der verschneiten Stille aber ebenso eine friedvolle Erhabenheit attestieren wollen.

Für das klanglich-atmosphärische Fundament aus zumeist langgezogenen Tönen kommen unter anderem effektverfremdete, gedämpfte E-Gitarren-Feedbackschleifen und verschiedene Elektronik zum Einsatz, seltener treten Klavier- und Violinklänge hinzu. Die entscheidenden emotionalen Akzente setzt die Multiinstrumentalistin jedoch mit ihrem aufwühlenden Trompetenspiel. Darüber hinaus macht sie in einigen Stücken von ihrer Stimme Gebrauch, die mal wortlos als reines Texturelement eingesetzt, mal für den Vortrag von Liedtexten verwendet wird. Nicht nur aufgrund des gläsernen Sirenengesangs fühlt man sich momentweise – um mal einen bekannten Namen einzuwerfen – ein bisschen an Grouper erinnert; diesen Vergleich darf man aber nicht überstrapazieren, dafür ist der stilistische Ansatz von Leila Abdul-Rauf viel zu eigenständig.

Die elf Tracks fügen sich somit zu einem kohäsiven Gesamtbild zusammen, das zwischen den unwirklichen Verzerrungen der Nacht und der grüblerischen Realität im Angesicht des Schlafentzuges oszilliert. Mit angemessen geisterstündlicher Spukstimmung um »Midnight« beginnend und in den »Dark Hours of Early Morning« sinister endend, lässt sich sogar ein narrativer Faden ausmachen, dazwischen scheinen reduzierte Einschübe wie »Clock Glows« oder »Seconds Tick« den Ablauf der Nacht wiederzugeben. Anders ausgedrückt, handelt es sich also weniger um ein ‚klassisches‘ Ambientwerk, das quasi im Endlosen zirkuliert, noch um eine Sammlung disparater Stücke. Zutreffender dagegen erscheint der beinahe unausweichliche Vergleich mit einem Soundtrack/Score – nur mit umgekehrter Hierarchie, weil die Musik einen imaginativen Film beim Hörer entstehen lässt. Zu den Highlights in der ersten Albumhälfte gehört auf jeden Fall das entrückt schillernde »The Opening«. Das klaviergestützte »Pull (feat. Kat Young)« wiederum ist von allen Tracks derjenige, welcher nicht nur wegen seiner klar vorgetragenen Vokalpassagen noch am ehesten an einen konventionellen Song erinnert, was die atmosphärischen Qualitäten jedoch kaum mindert. Die Verse hierfür hat übrigens Leila Abdul-Raufs Mutter eingesungen. Bei »He Sits in His Room« ist sie dann wieder selbst am Mic zu hören. Und natürlich an der Trompete. Selbige durchdringt die unbeschreibliche Klanglandschaft mit solch eindringlicher Melancholie, das eine Gänsehaut praktisch vorprogrammiert ist. Überwältigungspotential, das auch die direkt darauf folgende, ungemein dichte Instrumentalkomposition »Wane« auszureizen weiß. Großartig.

Wenn auch nicht jeder Track derart heraussticht wie die oben beschriebenen Exemplare, ist »Insomnia« eine ziemlich runde und nahezu makellose Angelegenheit. Manchmal unterschwellig, aber niemals einfach dahinplätschernd. Ein fabelhaftes Album, das selbstverständlich den großen Menschenmassen fremd bleiben wird. Nichtsdestotrotz ist dennoch zu hoffen, dass es über das Dasein eines bloßen Geheimtipps hinauskommen wird. Verdient wäre es allemal.

Tracklist:
01. Midnight
02. Drift 
03. The Opening 
04. Clock Glows
05. Pull (feat. Kat Young)
06. Seconds Tick
07. Edges Of A Mirror
08. Absence 
09. He Sits In His Room 
10. Wane 
11. Dark Hours of Early Morning

 

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Review: Hecq – Mare Nostrum [2015]

Hecq - Mare Nostrum (Hymen Rec.)| Erschienen bei Hymen Records (2015) / Cover artwork by beeple |

2013 reiste Ben Lukas Boysen alias Hecq auf Einladung der Polytechnischen Universität Kataloniens nach Barcelona, um Tonaufzeichnungen des Supercomputers MareNostrum zu machen, welcher von Glas und Eisen umhüllt in einer ausgemusterten Kapelle betrieben wird. Mit Induktionsmikrophonen ausgerüstet, die für den Menschen praktisch kaum wahrnehmbare Betriebsgeräusche auf ein hörbares Level verstärken können, brachte er circa zwei Stunden im Innern der eindrucksvollen Anlage zu. Aus den Ergebnissen dieser äußerst ungewöhnlichen Aufnahmesession entstand durch Post Production der Soundsamples ein nicht minder ausgefallenes Album, das auf zusätzliche Instrumente oder andere Klangerzeuger bewusst verzichtet.

»Mare Nostrum « besteht aus vier Stücken, die sich alle jeweils knapp unter der 20-Minuten-Marke einpendeln. Es ist ohne Zweifel eines der ambitioniertesten Projekte von Boysen, dessen Talent, Ehrgeiz, Neugier und Wagemut ihn längst in eine Reihe mit Größen wie Richard D. James befördert haben. Seine Werke konsumiert man nicht beiläufig, sie müssen durchdrungen, gefühlt und erfahren werden. Besondere Größe beweist er hier jedoch, in dem er sich selbst als Künstler noch stärker zurücknimmt und dem titelgebenden Hochleistungsrechner zum Dreh- und Angelpunkt macht, ihm quasi ein klangliches Denkmal setzt: Es summt, knattert, fiept und rauscht. Von der Herangehensweise ist dies durchaus mit der – falls man diese Formulierung gelten lassen möchte – ‚Tradition‘ der Musique concrète zu vergleichen, auch wenn die fertigen Tracks dann doch anders klingen. Vor allem aber oft ähnlich schwer zugänglich. Als Hörer wird man insgesamt relativ wenig an die Hand genommen. Sogar manch IDM- oder Ambient-Connaisseur dürfte da zunächst mal skeptisch die Augenbrauen hochziehen und gelegentlich mit seiner Aufmerksamkeit etwas abschweifen (obwohl auch das gerade bei atmosphärischen Klängen durchaus mal erlaubt sein sollte).

»Mare Nostrum« basiert auf Field Recordings, jedoch wirkt diese Kategorisierung hierbei im gleichen Zuge fast wieder absurd, da die Aufnahmen an einem so abgeschlossenen, sterilen Ort unter streng kontrollierten Bedingungen stattfanden, wo außerdem nichts im üblichen Sinne als ‚natürlich‘ bezeichnet werden könnte, sondern lediglich Algorithmen – Achtung, Wortspiel! – den Ton angeben. Hört man jedoch genau hin und fokussiert die Geräuschskulpturen, so scheinen sich doch ganze Welten im Inneren des synthetischen Gebildes zu verbergen. Manche davon sind befremdlich oder sogar beunruhigend, andere dagegen haben auch harmonische Untertöne und wirken auf eine seltsame Art und Weise beinahe majestätisch. Während bei »I« etwa noch ein Sturm zu toben scheint, kehrt bei »IV« eine behagliche Geschäftigkeit ein. Diese Welten zu entdecken erfordert jedoch Geduld. Am besten nähert man sich dem Werk entweder hellwach oder alternativ dazu – auch wenn dies zunächst paradox klingen mag – im Zustand konzentrierter Müdigkeit, wenn auditive Reize noch viel intensiver erscheinen als gewöhnlich. Es ist im wahrsten Wortsinn das Innenleben des Computers, das zum Klingen gebracht wurde. Eine eigene Sprache, die erst einmal verstanden werden muss und von Hecq behutsam übersetzt wurde. Natürlich ließen sich die Stücke – um ein altes Klischee zu bemühen – womöglich ebenso erfolgreich als meditatives Hintergrundrauschen anwenden. Mit solch einer an Muzak-hafte Zweckgebundenheit anschließenden Rezeptionshaltung ist der Tiefe der Produktion (wie im Übrigen auch bei den allermeisten experimentellen Ambientwerken) aber gewiss nicht beizukommen.

Neben einem anspruchsvollen Hörerlebnis regt das Albumkonzept zu theoretischen Fragestellungen an: Wer musiziert hier, ist es der Computer, Ben Lukas Boysen oder sind es beide zusammen? Für den Musikgenuss kann man derartige Diskursangelegenheiten selbstverständlich als untergeordnet betrachten. Ohne Frage schien es dem Oldenburger aber darum gegangen zu sein, eine gewisse ‚Authentizität‘ der Situation zu wahren. MareNostrum ist eine gigantische Blackbox und er hat sie ein Stück weit öffnen können. Wo äußerlich Kühle und Bewegungslosigkeit vorherrschen, lauert in silico Dynamik und Leben. In einem Interview beschrieb Boysen, wie sehr er von der speziellen Atmosphäre des Ortes eingenommen gewesen ist, an dem das Sakrale eines Gotteshauses auf die säkularisierte Moderne trifft, wie sie durch die Ratio der Rechenmaschine nicht besser hätte repräsentiert werden können. Hecq ist es gelungen, die einzigartige Kombination der beiden nur scheinbar gegensätzlichen Pole auf subtile Weise einzufangen.

Tracklist:
01. I
02. II 
03. III
04. IV 

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Preview: Final – Black Dollars

Wenn es einen zeitgenössischen Musiker gibt, dem man das Attribut ‚umtriebig‘ aufdrücken möchte, dann ist man bei Justin K. Broadrick aber sowas von an der richtigen Adresse. Der Brite tritt mit derart vielen Projekten musikalisch in Erscheinung, dass man leicht durcheinanderkommen kann im Dickicht stiltechnisch enorm breitgefächerter Veröffentlichungen. Jesu, Godflesh, JK Flesh, Pale Sketcher und White Static Demon laufen bei ihm quasi simultan; darüber hinaus wirkt Broadrick in Supergroups wie Greymachine oder Blood Of Heroes mit und ist auch ziemlich gefragter Remixer in den unterschiedlichsten Genregefilden. Nicht zu vergessen sind natürlich seine ehemaligen Engagements bei Techno Animal, Napalm Death, Fall Of Because u.a. Ein häufig übersehenes Projekt stellt jedoch sein Output unter dem Alias Final dar, dabei ist es doch erstaunlicherweise sein ältestes. Seit 1982 widmet sich Broadrick hierunter allerhand Experimentellem und Minimalistischem, meist im Bereich Drone, Noise und Ambient. Doch trotz eines stolzen Backkatalogs weiß man eigentlich nie so richtig, was man bekommt. Das bestätigt sich wieder mal beim Hören des Snippets zum anstehenden Album »Black Dollars«. Umgarnende Harmonieflächen, barsche Distortion, Chords von der Akustik-Klampfe und irritierende Vocal-Fetzen, als wären diese aus einer fernen Popwelt in den Mix zugeschaltet worden. Im Schnelldurchlauf schon mal durchaus beeindruckend. »Black Dollars« soll im September bei Downwards erscheinen.

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Video: Boards Of Canada – Tomorrow’s Harvest (Fan-Movie)

Reden wir nicht lange um den heißen Brei herum: »Tomorrow’s Harvest« ist ein fantastisches Album. Ganz sicher eines der größten der letzten Jahre, wenn nicht sogar – und da lehne ich mich gerne etwas aus dem Fenster – das Album des Jahrhunderts (bis zu diesem Zeitpunkt, versteht sich)! Ja, das würde ich doch glatt mit fast schon anmaßender Überzeugung vorbringen. Klügere Köpfe als der meinige könnten sicherlich ausladende philosophische Essays darüber verfassen, weshalb das Opus von 2013 weitaus mehr ist als ein retro-futuristisches Endzeit-Narrativ in verwaschener VHS-Ästhetik. Zeitgenossen, die gern mit Begriffen wie ‚Hauntology‘ um sich schmeißen, haben bestimmt ihre helle Freude am hier entwickelten Szenarium, obwohl auch das nur eine potentielle Betrachtungsweise ist. Natürlich steckt der Teufel bei BoC im Detail. Der virtuose Einsatz von Studiotechniken und analog-synthetischen Klangerzeugern bildet einen entscheidenden Baustein dieser Extraklasse, kann selbige aber nicht ohne weiteres erklären.

Hört man nämlich genauer hin und überdenkt das sinnlich Wahrgenommene, stellt man fest, dass man es nicht mit einem Pseudo-Reenactment zu tun hat, einem im Gestern verhafteten Was-wäre-wenn-Gedankenspiel. Denn das, was sich akustisch als Vergangenheit und namentlich als Zukunft verkleidet zu haben scheint, ist nichts anderes als unsere Gegenwart. Wo immer der Eindruck entsteht, die Menschheit würde sich heutzutage in rasender Geschwindigkeit fortbewegen, da dreht sie sich in Wahrheit eigentlich nur im Kreis – und zwar immer schneller; so schnell, dass es mittlerweile fast einem Stillstand gleichkommt. Erklärt das nicht, wieso Moden sich so schnell abnutzen wie nie zuvor? Genau von diesem stumpfen, oder besser abgestumpften, Zirkulieren, dem vorläufigen Ende der Ideen, zeugt »Tomorrow’s Harvest«. Und das auf erstaunlich ergiebige Weise.

Der Weltuntergang als stiller, stetiger und unumkehrbarer Prozess: Diesen ungemein trostlosen, fast nihilistischen Grundton mit obskurer Quasi-Metaphysik, versteckten Andeutungen und subliminalen Feinheiten stimmig zu verknüpfen, das ist schon ein wahres Kunststück. Es hat die Ambivalenz, zu der eben nur tiefsinnige Ausnahmewerke fähig sind, denn es trägt Zeitgeist in sich, indem es die verlorengegange Zeitlichkeit unserer aktuellen Epoche einfängt und negiert jegliche Epochenhaftigkeit damit zugleich. Irgendwie verwirrend und widersprüchlich, nicht wahr? Ja, aber vor allem traurig und desillusionierend schön.

Derart evokative Klangalchemie bedarf nicht zwingend einer visuellen Untermalung, schließlich entsteht das Bild bei Boards of Canada zu allererst im Kopf des Hörers. Doch wer sich ein wenig mit der Aufnahme ihrer Musik durch die äußerst loyale Anhängerschaft beschäftigt, kennt sicherlich die kleinen Fan-Filmchen, zuhauf auf YouTube und Co. zu finden, welche die Tracks mit oftmals passenden Bildern aus der schier unerschöpflichen Recycling-Cloud des Internets untermalen.

Ein User hat sich die Mühe gemacht, aus den zahlreichen inoffiziellen Videoclips (mit Ausnahme des offiziellen Videos zur Single »Reach For The Dead«) ein zusammenhängendes Musikvideo für den kompletten Langspieler zusammenzuschneiden. So wird »Tomorrow’s Harvest« zum audiovisuellen Gesamterlebnis!

Die Auflösung entspricht zwar kaum HD-Niveau, was angesichts des in der Regel eh schon grobkörnigen Ausgangsmaterials und Vintage-Sounds jedoch nicht schwer wiegt. Im Gegenteil: Mitunter verdeutlicht dies kongenialerweise unsere heutige Digitalkultur, in der aus der Vielfalt der geschichtlichen Zusammenhänge eine homogene Pixelmasse geworden ist. Was die Auswahl der Videos angeht, kann man daher geteilter Meinung sein, lag der Fokus hier mehr auf Abwechslungsreichtum denn auf Kohärenz. Wirken die ersten zehn Minuten noch fast wie aus einem Guss, mischen sich nachher Zeichentrick bzw. abstrakte Animation, diverses Dokumaterial und Spielfilm-Ausschnitte (z.B. »Blade Runner«).

Ein überaus netter Zusatz ist der Zusammenschnitt dennoch. Einer von vielen potentiellen Wegen »Tomorrow’s Harvest« synästhetisch auszuformulieren. BoC selbst scheint der extralange Clip jedenfalls gefallen zu haben, denn die beiden Schotten haben ihn vor einiger Zeit sogar auf ihrer ansonsten nicht gerade durch außerordentliche Aktivität auffallenden Facebook-Seite gepostet.

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Preview: Hecq – Mare Nostrum

Egal ob IDM, Ambient, Dubstep, D’n’B, Kontemporärklassik oder Filmmusik – Ben Lukas Boysen alias Hecq ist ein Meister unterschiedlicher Disziplinen und gehört im Moment zweifelsohne zu den begnadetsten Musikschaffenden Deutschlands. Sein Portfolio umspannt kontemplative Ruhe ebenso wie clubbige Energie und experimentelle Soundskulpturen – gerne auch alles auf einmal! Das neueste Release führt den in Berlin lebenden Allrounder mal wieder in den Bereich sublimer Avantgarde-Geräuschkunst. Genauer gesagt, begann die Arbeit an »Mare Nostrum« aber schon im Jahre 2013, als Boysen sich nach Barcelona begab, um Audioaufnahmen des Super-Computers zu machen, welcher dem Werk nun seinen Titel gibt: eine imposante, äußerst leistungsfähige Rechneranlage, die in einer alten Kapelle untergebracht ist und von einer fünf Meter hohen Eisen- und Glaskonstruktion umgeben wird. Die Aufnahmen seiner Betriebsgeräusche sollten den Kern der Kompositionen bilden, die Hecq anschließend produzierte. Eine faszinierende Idee! Ob die Umsetzung gelungen ist, kann man demnächst selbst herausfinden, denn »Mare Nostrum« erscheint schon am 10. Februar. Ein Preview gibt es aber bereits auf Soundcloud zu hören:

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Highlights 2014: Top-Alben

Ganz ehrlich: Niemand mag frühe Jahresrückblicke, die einem schon Anfang Dezember allerorts aufgedrängt werden. Deswegen… na gut, auch wegen anderer Gründe, kommt mein Highlight-Ranking für 2014 auch später als alle anderen! Wie schon im letzten Jahr gilt natürlich auch diesmal das Credo: Vollständige oder objektive Bestenlisten gibt es nicht, sie bleiben stets Ausschnitte ohne Universalitätscharakter – eine persönliche Selektion nach individuellen Kriterien. Und trotzdem fiel es mir diesmal sogar schwer, eine für die eigenen Maßstäbe zufriedenstellende Rangliste zu kreieren.

2014 erschien mir in musikalischer Hinsicht nämlich in der Spitze sehr dicht gestaffelt, nur wenig hat sich daher wirklich für eine ‚Ehrung‘ aufgedrängt. Zwar gab es durchaus viele gute und sehr gute Alben, jedoch kaum besonders hervorstechende, brillante, mitreißende Werke, die meine subjektiven Knöpfchen zu drücken wussten. Oder lag es vielleicht an enttäuschten Erwartungen? Manche mit Vorfreude erwartete Alben gestandener Künstler konnten ihre Vorschusslorbeeren letztlich nicht ganz einlösen.

Beherrscht wurde das Jahr indes vor allem von Ambient- und Drone-Klängen, ätherisch-umwasserten Rock-/Pop-Formationen sowie ‚Hauntologen‘-Techno – es ist, als lege sich ein nebulöser Schleier um den Musikbetrieb unserer Zeit –, wohingegen viele bekannte Post-Rock-Bands solide Alben ohne größere Neuerungen nachlegten. Das Ranking haben diese Trends aber nicht unbedingt dominiert. Alles in allem war es ein knappes Rennen an der Spitze, mit vielen Anwärtern auf einen Startplatz, aber keinen echten Titelfavoriten. Nur eines kann ich vorab versprechen, Coldplay oder Kraftclub sind garantiert nicht darunter!

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