Beiträge getaggt mit Alternative Rock

Highlights 2016: Die besten Alben

Jetzt, wo sämtliche Jahresrückblicke längst vergessen und fragwürdige Awards bereits medienwirksam an die üblichen Verdächtigen verteilt worden sind, lasse auch ich mir eine persönliche Abrechnung mit 2K16 nicht nehmen, muss dazu aber leider ein wenig ausholen…

Den Rest des Beitrags lesen »

, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Ein Kommentar

Review: ††† – ††† [2014]

Crosses Album Cover[ Erschienen bei Sumerian Records (2014) ]

Der Musikkritiker hat es nicht leicht. Besonders wenn dieser ein negatives Urteil  über das rezensierte Werk fällt, wird er schnell auch selbst zum Gegenstand kritischer Begutachtung,  muss sich darauf einstellen mit mal mehr, mal weniger begründeten Zweifeln an der eigenen Qualifikation konfrontiert zu werden. Nicht selten wird gar die gesamte Profession hinterfragt: Der Kritiker ist in den Augen Vieler immer derjenige, der im Elfenbeinturm seiner eigenen Arroganz von oben herab über die Künste Anderer richtet, ohne selbst etwas zu schaffen oder zumindest nicht nah genug am Geschehen scheint, um einen adäquaten Zugang zur Materie zu finden. Oft gelesene Vorwürfe: Werk nicht verstanden, oberflächliche Auseinandersetzung, fehlerhafte Recherche oder schlicht fehlender musikalischer Sachverstand.

Der leidenschaftliche Musikblogger, der gerne Reviews verfasst und dabei auch kritischere Töne nicht scheut, hat es ebenfalls nicht leicht. Wo der Kritiker alten Schlags sich noch im Zweifel auf redaktionelle Zuständigkeiten berufen kann, die ihn zur Meinungsäußerung über ungeliebte Werke zwingen, dürfte es für den selbstbestimmten Schreiberling schwieriger sein, zu begründen, wieso man denn ausgerechnet über die Musik schreibt, mit der man so überhaupt gar nichts anzufangen weiß.

Warum aber schicke ich diese metareflexiven Gedanken voraus, sollte es hier nicht eigentlich um eine gewöhnliche Plattenbesprechung gehen? Möchte ich das nun Folgende etwa schon vorneweg entschuldigen, um mich beim Leser anzubiedern? Geht es also darum, den möglichen Kritikern meiner Kritik von Beginn an den Wind aus den Segeln zu nehmen? Über all das möchte ich mir selbst wiederum kein Urteil erlauben, spräche daraus nur eine gewisse Selbstgerechtigkeit, die meiner versuchten Reflexion wohl entgegenstehen würde. Fest steht, dass das Schreiben dieser Rezension bis zum Ende von Zweifeln begleitet wurde, ob der Text nach Fertigstellung überhaupt veröffentlicht werden soll, entpuppte sich die Musik entgegen der ersten Annahme als nicht unbedingt in den Blog-Zusammenhang passend. Schuster, bleib bei deinem Leisten? Letzten Endes siegte dann aber die profane Einsicht, dass diese Meinung nur eine unter vielen ist und daher ruhig gleichberechtigt neben anderen stehen darf – ganz egal, ob man sich als Review-Autor damit einen Gefallen tut oder eher nicht.

Was ist also das Besondere an dieser Veröffentlichung, das ein derartig weites Ausholen ohne konkret auf die Musik einzugehen rechtfertigen kann?  Hier kann direkt Entwarnung gegeben werden: Das besprochene Werk ist musikalisch keineswegs außergewöhnlich, nicht einmal polarisierend.  Ein unscheinbares Nebenprojekt von Deftones-Stimmchen Chino Moreno, Produzent Scott Chuck und Far-Klampfenspieler Shaun Lopez, das im prallgefüllten Einerlei der Musikindustrie schnell untergehen würde. Dass „†††“ meine Aufmerksamkeit auf einer anderen Ebene erwecken konnte, qualifiziert das Album als anschauliches Exemplar für die Möglichkeit multipler Zugänge zu einem Werk und spiegelt so auch meine prekäre Rolle als Bewertungsinstanz, bei der sich passiv-verschleiernde Selbstabstraktion und ungeniertes Bekenntnis zum ‚Ich‘ im stetigen Konflikt befinden.

Es sind in erster Linie Künstlername und Songtitel, die sich ausgiebig bei der Symbolik der Witch House-Welle bedienen, welche mich zum Werk geführt haben. Die auffällige Verwendung des  typographischen Kreuzes in Kombination mit okkult bzw. düster anmutenden Bezeichnungen wie „dea†h bell“ waren der Ausgangspunkt für jegliches Interesse. Hört man sich „†††“ in Gänze an, kommt man jedoch zum relativierenden Schluss, dass der musikalische Ansatz der Dreikreuzler nur eine vergleichsweise überschaubare Ähnlichkeit mit dem angesprochenen Online-Phänomen aufweist, obwohl einige Schnittmengen nicht zu verleugnen sind. Spitzfindige mögen an dieser Stelle berechtigterweise einwerfen, dass Witch House eh für keine Musikrichtung im engeren Sinne steht, sondern ein ästhetisches Programm zusammenfasst, das sich neben seiner klanglichen Spezifik und künstlerischen Herangehensweise eben auch über den Einsatz von bestimmten Unicode-Symbolzeichen und kryptischen Glyphenketten definiert.

Ist es also notwendig „†††“ zwangsläufig in den größeren Zusammenhang der angesprochenen Haunted House-, Drag- und Zombie Rave-Bewegung zu setzen, um seine Qualität  bzw. Nicht-Qualität treffender einordnen zu können? Oder sollte das Werk auf idealtypische Weise vollkommen isoliert betrachtet werden, zumal Moreno selbst zwar offen das Interesse an mystischen Motiven teilt, das Projekt aber ausdrücklich nicht als Witch House verstanden wissen möchte? Immerhin handelt es sich abseits aller Etiketten hierbei auch ohne Wenn und Aber um ein Pop-Album. Der tendenziell wohlwollende oder harmoniebedürftige Schreiber würde anführen, die Kreuztruppe öffne das sonst doch eher zugestellte, verbarrikadierte Hexenhaus für ein breiteres Publikum und ergänze den kapriziösen Internet-Hype um neue Facetten. Der gnadenlos Underground-affine Kritiker hingegen könnte den Vorwurf erheben, ††† greifen sich bloß Elemente des Genres heraus und verwässern diese zu einem radiotauglichen Hintergrundgedudel.

Natürlich lässt sich in Zusammenhang mit „†††“ genauso gut vollkommen abseits dieser Kategorien denken. Synthie Pop, Trip-Hop, Ethereal oder New Wave sind mindestens ebenso zutreffende Anknüpfpunkte, meistens blickt auch der stadiongeeignete Alternative Rock („bi†ches brew“) um die Ecke. Mit ein wenig Boshaftigkeit, aber nicht ohne Grund, ließe sich konstatieren, ††† klingen in ihren ruhigen Songs wie James Blake für Arme, in den harscheren Momenten wie die Ultralight-Variante Trent Reznors (NIИ) und bei allem was dazwischen liegt nach Curve ohne Seele. Sicherlich könnte man noch andere krumme Vergleiche bemühen, die für das Verständnis von „†††“ aber ebenso wenig hilfreich sind…

Auf der fünfzehn Track starken LP finden sich ausschließlich kurze Songs, von denen kein einziger die Fünf-Minuten-Marke überschreitet. Und die meisten davon gehen leider auch genauso schnell ins Ohr wie sie es zum anderen wieder verlassen. Vielversprechende Ansätze werden immer noch rechtzeitig so glattgeschliffen, dass gelungene  Soundideen fast schon zwangsläufig im allgegenwärtigen Radioformat ersticken müssen. Und hier komme ich dann wieder auf die eingangs erwähnte Witch House-Connection zurück: Wo dessen prägende Acts in ihren zeitlupenartig verfremdeten Pop-Mutationen US-Rap und R’n’B obskurifizieren und damit gelegentlich selber schon gekonnt auf der Zuckerguss-Grenze balancieren, ist das Drei-Mann-Projekt aus L.A. von Anfang an auf klare Rock- und Pop-Dramaturgien fokussiert, während der in einigen Momenten aufblitzende sentimental verspukte Schleier lediglich als ausschmückende Deko herhält. Eine Rechnung, die nicht aufgeht. Die oft langsamen, zurückgenommenen Beats und subtilen Stimmungsspitzen der ruhigen Passagen bzw. Strophen bekommen kaum Chancen zur Entfaltung, stattdessen ertränken ††† jegliche Atmosphäre im ewig gleichen Songwriting-Kitsch mit Bombastproduktion. Dass der sorgsame Aufbau praktisch immer auf den obligatorischen 08/15-Chorus hinausläuft, macht die Sache nicht unbedingt überraschungsgeladener, nach zwei Liedern haben die Kreuzbraven ihr ganzes Pulver nämlich schon verschossen! Morenos schwülstig penetrante Vocals sind im Übrigen wahrlich keine Offenbarung, sondern eine regelrechte Belastungsprobe für den Hörer. Mit jedem Song steigt folgerichtig die Versuchung auf ‚Skip‘ zu Drücken, um dem Elend wenigstens für ein paar Sekunden zu entkommen – obwohl man dann wiederum auch das schöne Outro von „†hholyghs†“ verpasst.

Song und Sound wollen einfach nicht zusammengehören. Sehr schade, denn gerade in den oft stimmungsvollen Intros zeigt sich ja, dass hier durchaus sehr viel mehr drin gewesen ist. Die detailgenaue Produktion bleibt der eindeutig interessanteste und zugleich leider den säuselig in die Länge gezogenen Vocals untergeordnete Aspekt eines somit insgesamt uninspirierten Albums. Qualitative Lichtblicke können zum Ende des Werks nur noch mit dem höchst gelungenen „nine†een eigh†y seven„, das auf den leise industriellen Spuren von Coil und Co. wandelt, sowie dem fantastischen Rausschmeißer „dea†h bell“ gesetzt werden, der mit seinen Klavier-Patterns und ausgeklügelten Percussions an die minimalistischen Arbeiten von Ben Lukas Boysen erinnert. Bedauerlicherweise zu spät, um das Ruder noch einmal herumreißen zu können. Nein, für diese Erkenntnis wäre der Witch House-Vergleich sicher nicht nötig gewesen. Aber in schlechten Phasen klammert man sich ja schließlich an gute Erinnerungen. Und selten war ich nach der Auseinandersetzung mit einem Album derart froh, drei Kreuze machen zu können…

Tracklist:
01. †his is a †rick
02. †elepa†hy  
03. bi†ches brew
04. †hholyghs†
05. †rophy
06. †he epilogue
07. bermuda locke†
08. fron†iers
09. nine†een nine†y four
10. op†ion
11. nine†een eigh†y seven  
12. blk s†allion
13. †
14. prurien†
15. dea†h bell 

, , , , , , ,

Hinterlasse einen Kommentar

Happy Birthday, Jilted Generation!

Vor ziemlich genau 20 Jahren erschien The Prodigys Kultalbum „Music for the Jilted Generation„. Grund genug, um eine Rückschau zu wagen und diesen Klassiker noch ein mal ausdrücklich zu würdigen…

Als Liam Howletts Geniestreich anno 1994, genauer gesagt am 4. Juli des besagten Jahres, veröffentlicht wurde, war ich vier Jahre alt und es ist sehr unwahrscheinlich, dass ich etwas von dieser Musik, die ihrerzeit einer kleinen Revolution gleichkam, bewusst mitbekommen habe (zwei Jahre später sollte sich das mit „Firestarter“ abrupt ändern). Sicher irgendwie bedauerlich, aber eben dem jungen Alter geschuldet. Viel später erst sollte ich diesen Meilenstein für mich entdecken und richtig zu würdigen wissen. Doch hier soll es eben nicht um meine persönliche, offen gestanden wenig interessante, Story gehen.

“I was feeling free – free of the rave BPMs, and feeling slightly rebellious against it. Rave had turned into something that we didn’t like. I remember standing on stage in Scotland, at a rave, and it just felt silly. I was like: ‘What the f*ck am I doing here? I’m not into this. It’s now so far from what it was.’ That made me want to do something different.”
(Liam Howlett)

Aus musikhistorischer Perspektive liegt es rückblickend nah, „Music for the Jilted Generation“ als Bindeglied in der musikalischen Entwicklung von The Prodigy zu verorten, das den Wechsel vom wenig massentauglichen Hardcore Rave („Experience„, 1992) zum stilistisch unverwechselbaren Rock’n’Roll-Psycho-Breakbeat („The Fat of the Land„, 1996) markiert, der ungeachtet seiner innovativen Form zum internationalen Chartbreaker avancierte. Ein gewisser Übergangscharakter beim Zweitwerk ist nicht ganz von der Hand zu weisen, dennoch verkennt dieses Labeling die eigentliche Wirkungsmacht und Einflusskraft des 94’er Longplayers. So großartig sein Vorgänger und der Nachfolger auch gewesen sind, der wirkliche Coup ist Howlett und Co. mit „Music for the Jilted Generation“ gelungen! Ein nie dagewesener Hybrid aus Rock und Rave, der alles gleichzeitig und doch nichts von beidem war; einer, der vor lauter Ideen überzulaufen schien (ebenfalls nicht zu vergessen sind die Jazz-, Funk- und Hip Hop-Einflüsse) und bezeichnend war für die wahrscheinlich produktivste und kreativste Phase einer in vielerlei Hinsicht unkonventionellen Band.

Das Cover-Artwork allein ist ein kleines Meisterwerk. Kalt, synthetisch, aber alles andere als hochglanzpoliert sieht das Motiv aus. Es zeigt die Konturen eines Gesichtes, die aus einem metallisch anmutenden Untergrund hervorzutreten scheinen. Der Mund ist weit aufgerissen. Maskenhaft, fremdartig und ein bisschen unheimlich wirkt diese Silhouette. Manche fühlen sich an Han Solos Karbonit-Hülle aus „Star Wars“ erinnert, andere wiederum an den Flüssigmetall-Androiden T-1000 aus „Terminator 2„. Oder handelt es sich möglicherweise doch bloß um ein Industrial-Update von Munchs „Der Schrei“? The Prodigy - Music for the Jilted Generation ArtworkSo ganz eindeutig mag man das Gezeigte nicht einordnen. Es bleibt bei vage angedeuteten Vielleicht-Referenzen. Das Motiv erscheint nicht nur deshalb fremd und vertraut gleichzeitig – für Freud schlichtweg die Definition des Unheimlichen. Was verbirgt sich hinter der silbrigen Ausformung?  Ist sie ein Insignium für etwas Lebendiges, das sich dort hinter befindet? Oder doch nur ein simpler Abdruck, eine eiserne Totenmaske? Ist es artifizieller Herkunft, vom Menschen gemacht? Diese unbeantwortbaren Fragen und suggestiven Qualitäten geben der Abbildung etwas Rätselhaftes. Dass sie nicht zu viel verrät, ist einer der Gründe, weshalb sie so reizvoll für den Betrachter ist. In jedem Falle transportiert das Jilted-Generation-Motiv jene sinister anmutenden Fortschrittsgedanken der 90er Jahre, die im multimedialen Vernetzungswahn und einer regelrechten Technophilie kulminierten. Wenngleich deutlich subtiler im Ausdruck, steht es damit auch dem nicht weniger gelungenem Artwork von Apollo 440s „Millenium Fever“ nahe, das die Ästhetik des Cyberpunks noch unmittelbarer repräsentiert und in Kombination mit seinem Albumtitel sogar eine unmissverständliche Ausrichtung vornimmt.

Mit dem Titel nahm man im Fall von The Prodigy hingegen scheinbar direkt Bezug auf eine Subkultur desillusionierter Jugendlicher, denen man die letzten Rückzugsgebiete wie z.B. Warehouse-Parties per Gesetz weggenommen hatte („Fuck’em, and their law!„). Howlett bestreitet diesen Zusammenhang und dennoch klingt es auf dem Album fast so, als wollten The Prodigy mit einem sich über stilistische Grenzen hinwegsetzenden Sound die verschiedenen Szenen auseinandernehmen und zu etwas Neuem vereinen. Experimentierfreudig ging man vor und dementsprechend abwechslungsreich ist auch das Programm, kamen hier mit Drum Machines, gesampelten Percussions, E-Gitarrenriffs, Synthieflächen, gepitchten Vocals, Flöten-Arrangements, Filmschnippseln, Acid-Geblubber usw. eine Fülle an unterschiedlichen Zutaten zum Einsatz, ohne dass das Ergebnis beliebig wirkte oder an Konsistenz vermissen ließ. Jeder der 12 Tracks klingt einzigartig und würde eine seperate Besprechung verdienen. Zusammengehalten als Gesamtwerk wurde das alles hauptsächlich durch die angenehm dreckigen Breakbeats und erhabenen Synthesizer-Klänge, die finster und spacig tönen.

Auch nach zwei Dekaden und unzähligen Durchläufen ist es immer noch erstaunlich, wie dicht und mitreißend Howlett sein Opus Magnum gewebt hat: Ein Highlight folgt auf das nächste, „MFTJG(so die inofizielle Kurzform) ist episch und kompakt, atmet neonfarbige 90er-Jahre Luft und ist seiner Zeit dennoch um Lichtjahre voraus gewesen. Untypische, wüst daherkommende Hits wie das unnachahmlich galoppierende Brett „Voodoo People“ oder Kopfnicker „Poison“ mit seinem Jam-Charakter, sind genauso anzutreffen wie großzügige UK Hardcore-Rückstände, denen man in oldschooligen Breakbeat-Attacken der Marke „Full Throttle“ oder „One Love (Edit)“ begegnet. Den endgültigen Siegeszug auf den musikalischen Olymp tritt die Truppe aus Essex jedoch erst in der Verlängerung an: Das finale Dreigestirn mit dem Untertitel „The Narcotic Suite“ hievt das bereits zu diesem Zeitpunkt hervorragende Album in schwindelerregende Sphären. „3 Kilos“ läutet die Odyssee tiefenentspannt und verspielt ein, langsam und majestätisch beginnt man schließlich abzuheben und alles um einen herum verschwindet in der Ferne. In „Skylined“ hat man die Umlaufbahn längst verlassen. Schwerelos lauscht man dem experimentellen Weltraum-Techno, aufregend und wunderschön ist das, aber auch ungewiss und trügerisch still. Allmählich wandelt sich die erhebende Spannung in eine zunehmend hypnotische Beklemmung. Was vorher noch frei und grenzenlos schien, zieht sich immer enger um den Hörer zusammen. Bei „Claustrophobic Sting“ ist man bis in die dunkelsten Randbereiche des Universums vorgedrungen und blickt dem puren Nichts ins Auge. „My mind is glowing„, ein fiebriger Acid-Rave-Alptraum zum Abschluss. Man klopft an die Türen des Unfassbaren. 78 Minuten und sieben Sekunden sind gespielt. Und dann endet es.

Während die Welt in trashigem Euro Dance und dumpfer Grunge-Ödnis zu versinken drohte, waren vier englische Querdenker längst zwei Schritte weiter, wenn auch die Errungenschaften dieses Weges eine unvermeidliche Eigendynamik nach sich zogen, die von der Band selber erst ein mal verkraftet werden musste. Sie hatten alles Vorherige durcheinandergewirbelt und wären bei all der Energie fast selber ins Schleudern gekommen. The Prodigy expandierten, verkauften Millionen Platten, füllten Stadien und blieben gleichzeitig doch irgendwie Underground im Geiste. Das soll ihnen mal einer nachmachen…

, , , , , , , , ,

Ein Kommentar

Aus der Mottenkiste: Chemlab – Chemical Halo (1993)

I kissed the floor on my way down /
A match head burning out on the frozen ground“

‚Coldwave‘ nannte man in Amerika damals Musik, wie die von Chemlab. Eine gar nicht mal so abwegige und unklug gewählte Genrebezeichnung, hört man sich Alben wie „Burnout At The Hydrogen Bar“ (1993) an. Die Songs der Band haben durchaus hörbare Rückstände aus den 80er Jahren gewahrt und klingen nach heutigen Maßstäben natürlich nicht mehr so frisch. Trotzdem höre ich „Chemical Halo“ sehr gerne – ein Stück, das auszuloten weiß, wie Musik in der Schnittstelle zwischen beiden Jahrzehnten zu klingen hatte.

Info: Es muss ja nicht immer aktuell sein: In unregelmäßigen Abständen werde ich unter dem Stichwort „Mottenkiste“ ältere Musik an die Oberfläche holen. Dabei wird es sowohl um ausgewiesene Klassiker als auch um Geheimtipps und andere eher unbekannte Highlights der Vergangenheit gehen, die in Vergessenheit geraten oder ihrerzeit untergegangen sind.

, , ,

Hinterlasse einen Kommentar