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Highlights 2016: Herausragende Tracks

Das Krampfjahr 2016 ist zwar seit ein paar Monaten Geschichte, doch irgendwie will es sich immer noch nicht ganz abschütteln lassen, schließlich ist seine Aufarbeitung bis hierhin zu einer scheinbar nichtLogo Unsoundaesthetics 2016 enden wollenden Odyssee verkommen. Aber damit soll jetzt, wo sogar schon der kalendarische Frühlingsanfang überschritten wurde, endlich mal Schluss sein!

Bleibt final also nur noch zu klären, welche Songs beziehungsweise Musikstücke sich eine kleine Würdigung verdient haben. Worten, denen – wer hätte das geahnt? – im Anschluss an diese Einleitung ‚Taten‘ (also, das heißt eigentlich weitere Worte) folgen werden. Wichtig zu wissen: Diese Auswahl soll keine vollumfängliche Repräsentation dessen darstellen, was der Blogbetreiber für die ‚besten‘ Tracks des abgelaufenen Jahres hält, sondern umfasst lediglich Musik, die nicht bereits über die zehn Albumfavoriten abgedeckt wurde, und ist auch eher als Ergänzung zu dieser Liste zu verstehen.

Hinweis: Zusätzlich zu den eingebetteten Playern befinden sich (Alternativ-)Links jeweils in den Tracktitel-Überschriften, über die man zu den besprochenen Songs gelangt. Im Notfall sollte also möglichst jeder die Gelegenheit haben, sich die aufgeführten Musikstücke anhören zu können.

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Review: Paul Wolinski – Full Bleed [2014]

p.wolinkski - full_bleed(400x)| Erschienen bei Sacred Tapes / Bandcamp (2014) / Cover-Artwork von Caspar Newbolt |

Paul „65daysofstatic“ Wolinski ist nicht nur die treibende Kraft hinter den großartigen Sheffielder Glitch-Post-Rockern, abseits dieser vielbeachteten Hauptbeschäftigung ist der Brite musikalisch inzwischen auch auf einzelgängerischen Pfaden unterwegs. 2011 konnte man sich das Ergebnis dieses Alleingangs unter dem Pseudonym Polinski in Form seines ersten Solo-Albums anhören: »Labyrinths« bot mit seinen regenbogenfarbenen Dance-Klängen und energetischen IDM-Pop-Hybriden ein immerhin abwechslungsreiches Hörerlebnis, das scheinbar losgelöst von zeitgenössischen Trends daherkam und irgendwie aus der Zeit gefallen wirkte. Kein großer Wurf, aber dennoch mit ein paar spannenden Momenten gesegnet, die das Talent Wolinskis durchblicken ließen. Insbesondere der mit Noise-Elementen und Pianotönen angereicherte Rausschmeißer stach dabei als interessantestes Stück heraus.

Noch viel stärker in die letztgenannte Richtung geht die neueste Arbeit namens »Full Bleed«, die Wolinski diesmal unter seinem bürgerlichen Namen beim englischen Nischenlabel Sacred Tapes auf Kassette veröffentlicht hat – einem Medium, das aufgrund seiner Historizität und technisch bedingten Klangcharakteristika bestens geeignet ist für eine dem Lo-Fi-Gedanken verpflichtete Herangehensweise. Dieser bleibt hier nicht bloß in der Oberfläche verhaftet, die Eigenarten und Nebeneffekte eines solchen Prinzips werden förmlich zum elementaren Gestaltungsmittel, also musikalischen Gegenstand. »Full Bleed« verbindet die synthiehaltigen Flächen von 65dos‘ »Wild Light« mit großzügigem Einsatz von Rauschen, Verzerrung und dem minimalistischen Gebrauch des Klaviers. Die Überlagerung von unterschiedlichen Loops und Texturen sowie das fließende Wechselspiel aus Harmonien und ihrer Dekonstruktion stehen im Zentrum. Die Stücke erinnern damit erstaunlich oft an das renommierte Werk Tim Heckers, mengen dieser brüchig-flirrenden Ästhetik aber noch eine Prise spaciger Eleganz und Zugänglichkeit bei.

Auch im digitalen Release wird das Format der Musikkassette in gewisser Weise beibehalten – technisch gesehen handelt es sich um zwei längere Tracks, die den Seiten A und B des physischen Datenträgers entsprechen. Natürlich besteht wiederum jeder Track aus mehreren Musikstücken. Der Tonband-Ursprung erklärt damit auch, wieso »Full Bleed« mit einem Umfang von rund 25 Minuten recht knapp ausgefallen ist. Auf der ersten Seite trifft man auf dichte, laut dröhnende Soundwände (»Russian Echo«, »Black Square«), gelegentlich genehmigt man dem Hörer aber etwas mehr Raum zum Atmen (»Piano Room«, »Borrowed Time«), in den sich Piano-Akkorde, Subbass-Wellen und andere delikate Details drängen. Die ‚Rückseite‘ startet zunächst mit Feldaufnahmen, ehe man bei »Somewhere Else, not Here« zu einer Expedition durch ebenso schroffe wie schöne Drone-Canyons mitgenommen wird. Im abschließenden Titeltrack von »Full Bleed« werden energische, aufbruchfreudige Klavier-Melodieschleifen und perkussive Nadelstiche nach und nach immer mehr von Distortion und Audionebel verschluckt, womit das Tape auf äußerst gelungene Art zum Ende kommt.

Mit seinem bislang experimentellsten Projekt entfernt sich Paul Wolinski vom rhythmisch und melodisch zuletzt sehr klaren, strukturierten Band-Output und seinen vergangenen Solo-Gehversuchen. »Full Bleed« ist ein überzeugender, unerwartet sicherer Schritt auf abstraktes Noise- und Ambient-Terrain, der auf ein beachtliches klangkünstlerisches Potential hindeutet. Weiteres Engangement in dieser Richtung wäre also durchweg zu begrüßen!

Tracklist:
01. Russian Echo / Piano Room / Black Square / Anxiety / Borrowed Time
02. Somewhere Else, Not Here / Full Bleed

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Heute ist morgen ist vorgestern – Gefangen in der Retroschleife?

Im von mir nicht sonderlich geschätzten (aber das ist ein anderes Thema) Online-Mag Noisey, schrieb Joe Zadeh kürzlich einen Artikel über aktuelle Tendenzen und die Zukunft der Popkultur, der mich im Nachgang doch mehr beschäftigte als zunächst angenommen. Entgegen meiner Erwartungen war ich nicht auf einen weitere unsägliche, gewollt auf hip und jugendlich getrimmte Ansammlung von Fast-Food-journalistischen Phrasen gestoßen, sondern auf im Ansatz durchaus nachdenkliche Worte über eine kreative Sackgasse, auf welche die kontemporäre Musikkultur durch ihre pathologische Vergangenheitsfixierung in den 00ern zugesteuert wäre.
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