Archiv für die Kategorie Aktuelles

Revisiting 2016: Sidebar-Playlist (1.0)

Längere Zeit war es ziemlich ruhig hier bei UnSoundaesthetics. Das hat seine Gründe… nun, da aber zwischenzeitlich und mal wieder fast unbemerkt ein Jahreswechsel stattgefunden hat (huch!), wird es natürlich auch diesmal eine in Jahresbestenlisten verpackte Bilanz der besonders verspäteten Sorte geben. Wer das Geschreibsel dieser Seite schon länger verfolgt (vielen, vielen Dank an dieser Stelle!), der wird es vielleicht erahnen: Bevor die eigentlichen Highlight-Artikel an der Reihe sind, gibt es einmal mehr als Vorgeschmack die obligatorische Playlist für Nutzer eines gewissen Streamingdienst-Marktführers (sorry!), abrufbar auch über den eingebetteten Player am Seitenrand. Die vielen, intensiven Stunden unzähliger ‚Hör-Sessions‘ spiegeln sich in dieser ersten Auswahl wider – ja, es ist nicht nur leichte Kost dabei. Einem facettenreichen Musikgenuss dürfte dies aber nicht im Wege stehen…

Advertisements

, , ,

Ein Kommentar

Video: Mark Pritchard – Sad Alron

Da hat es sich doch wirklich gelohnt, mal wieder bei Warp Records vorbeizuschauen – obwohl es zugegebenermaßen einige Sekunden bei mir gedauert hat, bis sich aus dem diffusen Grübeln à la „der Name kommt mir bekannt vor“ eine eindeutige Assoziation herausschälen konnte. Mark Pritchard ist mir bis dato lediglich als die eine Hälfte des inzwischen lange zurückliegenden Projekts Global Communication, auf welches der unsterbliche Downtempo-/Ambient-Techno-Meilenstein »76:14« von 1994 zurückgeht, zu Ohren gekommen. Eine denkbar einfache 10-Sekunden-Recherche ergibt, dass der gute Mann aber in den letzten zwei Dekaden äußerst aktiv gewesen ist und beständig Werke veröffentlicht hat. Spätestens an dieser Stelle wird die eigene Bildungslücke eklatant… Shame on me!

Nun ja, »Sad Alron«, um dies schon mal vorwegzunehmen, liefert mehr als überzeugende Argumente dafür, Pritchards Back-Katalog zumindest mal einer Stippvisite zu unterziehen. Ein faszinierendes Kleinod, diese Komposition! Jonathan Zawadas zugehörige Bilder sind ferner ein wahrer Glücksfall, da sie die evokative Magie des Ausgangswerks nicht entzaubert, sondern im Gegenteil noch dessen enigmatische Strahlkraft multipliziert! Keine drei Minuten lang ist die audiovisuelle Symbiose, doch durchaus epochal. Bild und Ton wirken dabei wirklich wie füreinander geschaffen. Langsame Kamerafahrten durch (teil)colorierte Canyons mit wechselfarbenem ‚Himmelszelt‘, knallbunte geometrische Objekte, irreale Gesteinsformationen und stakkatoartiges Morphen des Horizonts entführen in ein fantastisches Terrain, das niemals einem bedeutungsschwangeren Bombast anheim zu fallen droht.

Es liegt natürlich nicht fern, angesichts des Szenarios an »2001: Odyssee im Weltraum« zu denken, jedoch tummelt sich Zawadas Clip ebensowenig im überfüllten Pastiche-Planschbecken der Kubrick-Kopisten (das gibt 10 Gummipunkte auf’s Alliterationskonto!). »Sad Alron« bleibt ähnlich rätselhaft, erscheint aber zugleich auch unverbindlich, sodass es problemlos auf ästhetischer Ebene für sich selbst stehen kann, ohne den semantischen Ballast einer Entschlüsselung zu bedürfen. Auf musikalischer Ebene blitzt indes die »76:14«-Grandeur unverkennbar auf. Vormerken sollte man sich den 12. Mai, dann kommt nämlich Pritchards Album »Under The Sun« in den Handel.

 

 

, , , , ,

Hinterlasse einen Kommentar

Zum Jahreswechsel: So klang 2015 (Version 1.0)

Es ist mal wieder soweit: Das alte Jahr geht zu Ende und die allgemeinen Neujahrsplanungen erreichen ihren Höhepunkt. Wer jedoch hippe Veranstaltungen mit teurem Champagner und fragwürdiger Dauerbeschallung ebenso als dekadenten Unfug empfindet, wird womöglich erleichtert sein, dass auch diesmal wieder eine Spotify-Playlist mit den Highlights der letzten 12 Monate die Sidebar dieses Blogs schmückt. Auch diesmal, sofern das überhaupt noch der Erwähnung bedarf, geht es musikalisch darin nicht immer nur harmonisch zu. Will heißen: 2015 wird in allen Facetten repräsentiert, mögen diese auch mal herausfordernd und sperrig sein…

Update: Die Playlist wächst und wächst – und nähert sich langsam ihrem finalen Stand. In Kürze folgt dann auch selbstverständlich wieder das ‚richtige‘ Ranking der besten Songs und Alben, auf das hiermit eingestimmt werden soll. Bis dahin viel Spaß beim Hören!

, , , , , ,

Hinterlasse einen Kommentar

Goodbye Tomorrow!

Jahrgang ’15, aber geht ab wie… ’94? Happy Hardcore-Pianos, cheesy Vocal samples und Breakbeats delikat in-your-Face. Das Ding zieht wirklich alle Register, fehlt nur noch die olle Rave-Sirene (Schade drum!). Erzählt mir bloß nichts von Nostalgie. Warum heißt das Teil wohl »Amnesia«? Und wiederholt sich in der gefühlten Endlosschleife? Scharf nachdenken…kommt man drauf. Ich bezweifle fast schon, dass es einen Song gibt, der mehr über unsere heutige Zeit aussagen könnte. Ach, war nicht vor kurzem auch BTTF-Day?

 
Kleiner Nachklapp: Das unschlagbare ‚Original‘ gibt’s auf SoundCloud.

 

, , , , , , ,

Hinterlasse einen Kommentar

Video: Swarm Intelligence – Iridescent

Die tüchtige Bildrecyling-Schmiede the29nov films beschert uns dieses kunstvolle Video zu »Iridescent« von Swarm Intelligence. Letztgenanntes Projekt hat ja kürzlich mit »Rust« sein drittes Album (bereits das zweite auf Ad Noiseam) veröffentlicht, dem auch dieses ausgeklügelte Stück entnommen wurde. Das toll anzusehende Formenspiel wäre für sich alleine betrachtet schon ein kleines Animationskunstwerk. Wahrlich erfrischend wird die Sache aber zusätzlich in der Kombination mit der vertrackt-technoiden Industrialmusik, die somit eine Bebilderung fernab jeglicher motivischer Klischees bekommt, welche sich in diesem Sektor angeboten hätten. Zweifarbig gehalten und diffus flimmernd, zwischen flächiger Abstraktion und symbolhafter Gegenständlichkeit (inklusive Anspielung auf den Schöpfungsmythos?) bruchlos übergehend, wird das Visual der Spannung seiner soundtechnischen Vorlage mehr als gerecht. Nebenbei gelingt es dem Video auch, den Spagat zwischen Synthetik und Organik widerzuspiegeln. Scheinbare Widersprüche zu vereinen ist schließlich der Trumpf des Ganzen: Mögen die metallischen, verzerrten Sounds schroff und lebensfeindlich anklingen, der Track geht einem doch irgendwie ganz nahe… ja, man ist fast geneigt zu sagen, durch den rostigen Eisenpanzer mitten ins verwundbare Herz.

, , , ,

Hinterlasse einen Kommentar

Preview: Final – Black Dollars

Wenn es einen zeitgenössischen Musiker gibt, dem man das Attribut ‚umtriebig‘ aufdrücken möchte, dann ist man bei Justin K. Broadrick aber sowas von an der richtigen Adresse. Der Brite tritt mit derart vielen Projekten musikalisch in Erscheinung, dass man leicht durcheinanderkommen kann im Dickicht stiltechnisch enorm breitgefächerter Veröffentlichungen. Jesu, Godflesh, JK Flesh, Pale Sketcher und White Static Demon laufen bei ihm quasi simultan; darüber hinaus wirkt Broadrick in Supergroups wie Greymachine oder Blood Of Heroes mit und ist auch ziemlich gefragter Remixer in den unterschiedlichsten Genregefilden. Nicht zu vergessen sind natürlich seine ehemaligen Engagements bei Techno Animal, Napalm Death, Fall Of Because u.a. Ein häufig übersehenes Projekt stellt jedoch sein Output unter dem Alias Final dar, dabei ist es doch erstaunlicherweise sein ältestes. Seit 1982 widmet sich Broadrick hierunter allerhand Experimentellem und Minimalistischem, meist im Bereich Drone, Noise und Ambient. Doch trotz eines stolzen Backkatalogs weiß man eigentlich nie so richtig, was man bekommt. Das bestätigt sich wieder mal beim Hören des Snippets zum anstehenden Album »Black Dollars«. Umgarnende Harmonieflächen, barsche Distortion, Chords von der Akustik-Klampfe und irritierende Vocal-Fetzen, als wären diese aus einer fernen Popwelt in den Mix zugeschaltet worden. Im Schnelldurchlauf schon mal durchaus beeindruckend. »Black Dollars« soll im September bei Downwards erscheinen.

, , , , ,

Hinterlasse einen Kommentar

Does It Offend You, Yeah?: Keine Comeback-Pläne!

Lange hat man nichts mehr gehört von Does It Offend You, Yeah?. Das ist an sich nicht verwunderlich. Vor drei Jahren gab die Band aus Reading (UK) nämlich bekannt, ihr Projekt nach zwei erfolgreichen Alben und ereignisreichen Tourneen für unabsehbare Zeit auf Eis zu legen. Das dürfte Viele trotzdem nicht davon abgehalten haben, auf ein möglichst baldiges Comeback zu hoffen. Bis zuletzt schien die Resonanz unter den Fans schließlich noch recht groß. Diesen Hoffnungen hat die fünfköpfige Briten-Formation nun jedenfalls einen herben Dämpfer verpasst. In einem Facebook-Statement stellte man klar, dass auch weiterhin keine Pläne bestehen, DIOYY wiederzubeleben:

„We would just like to say we are very flattered with the response we got to Dan’s message. While it is indeed lovely to see you are all still there, we have to point out that there are no plans to tour or release any new music at the moment, Never say never though! We feel that the DIOYY album we would want to make is not the one you would want to hear. We have never been in the business of repeating ourselves. We always had a go at something new. Sometimes it worked, other times it didn’t, but that’s nature of the beast we decided to tussle with. Again thanks so much. Its nice to see so many of you still dancing to our odd little beats.“

Obwohl das natürlich alles sehr schade ist, so ist es doch gleichzeitig bemerkenswert, dass die 5er-Combo – zumal in ihrer Heimat ziemlich populär – auf die Fortführung einer mutmaßlich relativ sicheren Erfolgsgeschichte verzichtet, weil sie sich eben musikalisch nicht wiederholen möchten. Vorbildlich, da könnten sich einige Bands mal eine Scheibe von abschneiden! Nettes Detail: Ganz ausschließen möchte man eine Rückkehr in ferner Zukunft dann aber doch nicht. We’ll see…

Does It Offend You, Yeah? - Facebook PostDer originale Facebook-Post

, , , , , ,

Hinterlasse einen Kommentar

Preview: Jean-Michel Jarre & Gesaffelstein – Conquistador

Seitdem das kulturelle Gebilde ‚Zukunft‘ gestorben zu sein scheint, ist womöglich auch der Moment für alte Synthie-Recken gekommen, sich wieder aus der Versenkung zu trauen. Horrorfilm-Ikone John Carpenter zum Beispiel veröffentlichte schon im Februar seine Sammlung hypothetisch-fiktiver Filmmusiken von ziemlich unterschiedlicher Qualität namens »Lost Themes«.

Und auch bei Urgestein Jean-Michel Jarre wird im Hintergrund derzeit offenbar fleißig an einem Comeback gewerkelt. Der Franzose gehört ja zu den großen Pionieren Elektronischer Musik, welche er mit seinen frühen Arbeiten einem breiten Publikum außerhalb akademischer Zirkel und Avantgarde-Grüppchen näher brachte. Besonders in den 70ern und frühen 80ern zählte Jarre mit Welterfolgen wie »Oxygène« oder »Équinoxe« zu den einflussreichsten Komponisten auf dem Gebiet synthetischer Klänge. Obwohl komplett instrumental und vom Format nicht gerade radiotauglich, sind die flächigen, mithilfe von Analog-Synthesizern erzeugten Stücke eingängig und melodisch – dem Pop und der Klassik damit näher als der ansonsten so praktizierten elektronischen Geräuschforschung.

Der neue Track hört auf den Namen »Conquistador« und ist eine Zusammenarbeit mit Noir-Techno-Dandy Gesaffelstein. Eine durchaus naheliegende Kombination, zeigte sich doch vor zwei Jahren bei dessen Debüt »Aleph« schon, wie sehr der Sound durch den ungleich älteren Landsmann beeinflusst worden sein muss. Bei »Conquistador« treffen sich nun die archetypischen Melodien Jarres mit der kristallinen Kälte Gesaffelsteins. Letzterer spendierte dem Klanggerüst auch mutmaßlich einen deutlich knackigeren Beat. Ein interessante Kollaboration!

, , , ,

Hinterlasse einen Kommentar

Preview: Amon Tobin – Dark Jovian EP

Amon Tobin, der ungekrönte König postmodern-abstrakter Klangbildhauerei meldet sich endlich zurück. Immerhin vier Jahre sind seit »ISAM«, dem letzten (und nicht gerade leicht zu durchdringenden) Opus des brasilianischen Soundmagiers, vergangen, da kommt ein neues Lebenszeichen in Form einer EP gerade recht. Man sollte annehmen, dass diese Nachricht schnell die Runde macht, doch die deutsche Fachpresse befindet sich diesbezüglich offenbar wieder im Dornröschenschlaf… Nun gut, dann lohnt es sich ja umso mehr, an dieser Stelle genau hinzusehen und hinzuhören, wie ich in aller Bescheidenheit anfügen muss.

Was der vorab präsentierte Ausschnitt anklingen lässt, ist – wie schon ältere Arbeiten – nicht unbedingt im ersten Moment fassbar, allem Anschein nach aber trotzdem nur bedingt mit dem Back-Katalog zu vergleichen. Mit dem collagenhaften Beat-Feuerwerken älterer Tage schon gar nicht. Spontan ließen sich dazu Attribute wie kosmisch, kolossal und gravitätisch anbringen. Ob man noch möglicherweise ‚übergeschnappt‘ ergänzen möchte, überlasse ich dann jedem persönlich. Tobin selbst verlautbarte jedenfalls, hauptsächlich von Weltraum-Filmscores und Neuer Musik beeinflusst worden zu sein. Inspiration durch das polyphone, obksur-gespenstische Stimmengemenge von György Ligeti-Kompositionen ist ja auch vergleichsweise schwer zu überhören. Da Tobin gewiss nicht der Erste ist, der das Vakuum des Weltalls zu vertonen versucht, wird es darauf ankommen, ob der Wahl-Kanadier dem Space-Szenario einen eigenen Stempel aufdrücken kann oder ob es nur zur ’netten‘ Hommage gereicht.

»Dark Jovian« erscheint pünktlich zum Record Store Day 2015 am 18. April als Vinyl auf Ninja Tune – von digitalen oder anderen Formaten ist dabei bislang noch nicht die Rede. Plattensammler werden sich jedoch über die schicke Aufmachung samt Designer-Plastikbox freuen…

, , , ,

Hinterlasse einen Kommentar

Preview: Godspeed You! Black Emperor – Asunder, Sweet And Other Distress

Eine bestimmte Musikgruppe als die ‚größte‘ Band der Welt zu bezeichnen, hat schon immer mindestens etwas Gewagtes, wenn nicht schon Albernes, peinlich Anmaßendes gehabt. Nicht mal die Rolling Stones oder Beatles durften solche Titulierungen tragen, ohne sich dafür schämen zu müssen. Manchmal weist diese ‚Adelung‘ eher auf den Status als konsenstauglichste Stadionkapelle hin, was dann auch erklärt wieso Guns N‘ Roses oder Linkin Park solch zweifelhafte Ehre zuteil wurde.

Die Kanadier von Godspeed You! Black Emperor hingegen gehören zu den wenigen Bands, bei der entsprechende Zuschreibungen nicht so übertrieben fehlplatziert erscheinen, wie sie es für gewöhnlich tun. Das Esemble mit dem wandernden Ausrufezeichen im Bandnamen gibt sich auch redlich Mühe, ihre Brötchen in Extra Large zu backen. Episch anmutende, wenn auch teils humorvoll gebrochene, Titel und überlange Kompositionen, die im dynamischem Wechselspiel von ruhigen Athmosphärenpassagen, unheilvollen Drones, strahlenden Streicherarrangements und krachendem Instrumentalrock postapokalyptische Landstriche in monumentaler Breite erkunden. Offenkundige Großspurigkeit, die aber nie bloße Behauptung blieb, sondern stets mit grandiosen Werken eingelöst wurde.

Jetzt haben GY!BE ihren neuen Longplayer angekündigt: Nennt sich »Asunder, Sweet And Other Distress« und erscheint schon am 31. März – natürlich wieder bei Constellation Records, dem hauseigenen Label des Montrealer Dunstkreises. Vier Tracks wird die LP enthalten, von der nun auch schon ein rund achtminütiger Ausschnitt verfügbar ist. Definitiv nicht von schlechten Eltern! Wer sich vom Tamtam im kontextlosen Snippet aber noch nicht zu Begeisterungsstürmen hingerissen fühlt, wartet lieber noch gut einen Monat und lässt dann das Gesamtwerk auf sich wirken – schließlich hat die Truppe bislang noch nie etwas Enttäuschendes abgeliefert!

, , , ,

Hinterlasse einen Kommentar