Highlights 2015: Die besten EPs & Mini-Alben

Während die Eindrücke aus dem letzten Jahr nun so langsam Platz machen für die Gegenwart (um nicht vom abgedroschenen ‚Hier und Jetzt‘ sprechen zu müssen) und 2016 Kontur annimmt, gibt es doch noch einiges, das nachhallt. Die Rede ist von – wer hätte das gedacht? – sehr guter Musik! Den Startschuss zur wie immer reichlich verspäteten Rückschau auf die Highlights von 2015 macht das Ranking einer oft vergessenen und unterschätzten, jedoch dank des Independent-Sektors niemals irrelevant gewordenen Veröffentlichungsform: der EP. Schließlich erscheinen immer wieder auch tolle Werke, die aber nicht über den Umfang eines gesamten Albums verfügen. Genau solche habe ich hier zusammengestellt.


Clark – Flame Rave

clark-flame_rave cover

Im Grunde ein Nachklapp seines selbstbetitelten, vor anderthalb Jahren veröffentlichten Albums – nicht zufällig gibt es zwei stark umgearbeitete Tracks jener LP auf »Flame Rave« zu hören –, jedoch ein äußerst gelungener! Vor allem weil Chris Clark diesmal in Sachen Rhythmus wieder deutlich weniger geradlinig vorgeht und sich mehr auf vielschichtige Texturen, Melodien und Stimmungen konzentriert, sorgen die vier Stücke für den einen oder anderen Gänsehautmoment.


Nadja – Songs for Wong Kar-Wai

Nadja - Songs for Wong Kar-WaiHommage an die asiatische Autorenfilm-Ikone, hält die EP ein vorsichtiges Liebäugeln mit sanften Akustikeinspielungen ebenso bereit wie die flirrenden, alles mit sich reißenden Sound-Tsunamis inklusive ätherisch-surrealer Ruhemomente, die zum unverkennbaren Markenzeichen des kanadischen Duos geworden sind. Pure Leidenschaft geformt aus Verstärkerdröhnen, Übersteuerung, Feedback, Effektspuren und weißem Rauschen. Tosende, vibrierende Klangmassen, nach wie vor mystisch angehaucht und überwältigend in der Wirkung. Mit der Expertise dutzender Releases ausgestattet, liefern die Metalgaze-Heroen diesmal jedoch keinen sperrigen Monumentalbrocken, nein, sie legen eine wohl ausbalancierte, konzise inszenierte Glanzleistung hin. Gleichzeitig ist die EP so arrangiert, dass sie nahtlos in der Endlosschleife gespielt werden kann – und damit doch etwas Ewiges bekommt.


Dead Fader – Dosage

Dead Fader - Dosage CoverDead Fader hat es raus. Er weiß, wie man abstrakte Klangfiguren schafft, wie man berührende Melodien schreibt, wie man Leute zur Bewegung treibt und auch wie man hervorragenden Lärm produziert. Vor allem letztgenanntes bringt er auf »Dosage« zur Meisterschaft.
Die Tracks sind überwiegend heavy und paranoid – und doch lassen sie auf unerklärliche Weise so viel Schönheit zu! Ein bisschen so wie ein Minenfeld, auf dem  besonders prächtige Blumen sprießen.


Fvnerals – The Path

Fvnerals - The Path CoverOk, zugegeben… diese zwei exzellenten Songs erfüllen streng genommen wohl kaum die Voraussetzungen einer EP, aber was die sträflich unbekannte Band aus Brighton abermals abliefert, verdient einfach besondere Erwähnung! Die geschmackvoll düstere, elegische Mischung aus Doom, Shoegaze, Post-Rock, Dark Ambient und Gothic taucht alles in einen farblose, diffuse Schattenoptik, die sofort gefangen nimmt. Als eindrückliches I-Tüpfelchen fügen sich die Vocals von Tiffany perfekt in die fragile Schwere ein.


Ranges – Night & Day

Ranges - Night & DayDas Konzept ist ebenso einleuchtend simpel wie von universeller Bedeutung: ein einziges Instrumentalstück, 24 Minuten lang, das den natürlichen Verlauf eines gesamten Tages repräsentiert. Stilistisch betritt das Trio mit seinem eher konventionell gehaltenen Post-Rock beileibe keinen neuen Grund, aber die Umsetzung ist dennoch sehr schön geworden. Crescendos sitzen richtig und die Band findet für die Vertonung dieses – paradoxerweise – zeitlosen Sujets die würdigen akustischen Entsprechungen. »Night & Day« ist sowohl narrativ als auch zyklisch, denn ähnlich wie Nadjas EP ist Ranges‘ Track geradezu prädestiniert für den Repeat-Loop!


End.user & N.L.I.C. – Her Shadow

Enduser+NLIC - Her ShadowDie Breakbeat-Terroristen End.user und N.L.I.C. wissen nicht nur mit rhythmischem Schnellfeuer umzugehen, sie haben auch eine andere Seite. Die erste Hälfte ihrer EP ist melancholisch, getragen und berührend. Danach ist aber erst mal Schluss mit Sentimentalitäten, denn in der zweiten Hälfte kommt die aggressive Energie zurück! »Her Shadow« eskaliert zum Ende hin in eine schlichtweg brillant konstruierte Cyber-Prügel-Orgie.

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