Video: Mother Room – Sin

Wovor fürchten wir uns? Ist es der Schrecken, der uns offen und direkt begegnet? Oder nicht viel eher das Unbestimmte und Mittelbare; etwas, das sich als fremdartig präsentiert oder sich lediglich erahnen lässt? Oder muss man hier nicht besser differenzieren zwischen blanker Furcht und ihrem Vorboten, dem Unheimlichen? Wenn etwas nicht fassbar erscheint und nur vage Assoziationen auslöst, aus denen sich in der Fantasie ein Angstszenarium fortspinnen lässt, dann kann man das als unheimlich bezeichnen. Fast jeder gute Gruselfilm lebt davon: Was wäre zum Beispiel »Blair Witch Project« ohne die Ängste, die der jeweilige Zuschauer ins Geschehen hineinprojiziert? Oft genug spielt sich der Horror hauptsächlich im Kopf ab. Das Unheimliche ist gewissermaßen die Angst vor der Angst – und sie kommt gerne in Form der Andeutung daher.

»Sin« von Mother Room ist gewiss kein Schocker. Es wirkt subtiler und wirft dem Zuschauer nur ein paar visuelle Brocken hin, deren Geheimnisse wohl nur von der individuellen Vorstellungskraft entlockt werden können. Zwei dunkel verhüllte Gestalten gehen in Zeitlupe über eine Wiese. Das Bild ist unscharf und farblos, der schiefe Bildaufbau eigentlich gar keiner, sondern das Take nur an einem Hang gedreht. Das gleißende Licht der Sonne wird in schwarz-weißen Bildern eingefangen. Eine Vermummte balanciert etwas, das wie ein Tablett aussieht, auf dem Kopf und hat die Hände vor sich gefaltet. Die Einstellungen wiederholen sich zum Teil mit invertierten Farben. Die dunklen Gewänder leuchten nun hell, die Sonne dagegen wird zur riesigen schwarzen Kugel am Himmel. Wir sehen den Rücken einer Frau, jedoch nicht ihr Gesicht. Doch damit nicht genug: Etwas Rundliches, Undefinierbares bewegt sich schnell am Himmel, fast so wie die naive UFO-Vorstellung einer fliegenden Untertasse. Hat sich das Objekt vorher von der verdunkelten Sonne gelöst, denn so scheint es fast? Was geht hier eigentlich vor? Es sind schlichte Zutaten und doch ist die irritierende Wirkung durchaus beachtlich. Aus begrenzten Mitteln wurde hier das Maximale herausgeholt. Nicht mal die Person in der Skelettmännchen-Verkleidung wirkt albern – das muss schon was heißen! Nicht zuletzt ist es auch der famose Noise-Track mit seinem schwergängig-dumpfen Donnern, der perfekt zur rätselhaften Atmosphäre beiträgt.

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