Review: DANGER – July 2013 EP [2014]

DANGER - July 2013 (1789)[ Erschienen bei 1789 (2014) ]

„My music is for those who, like me, have grown up amongst the ruins of blockbusters. For them my bass trembles and my synths screech.”

Electro-Produzent DANGER steht in einer ganzen Riege von vornehmlich französischen Künstlern, die es zweifellos schaffen, sich mit ihren Arbeiten vom Gros der generischen Club-Musik abzuheben. Seine Tracks beinhalten viele Elemente, die an altmodische Synthesizer-Musik wie die von Klaus Schulze oder Jean Michel Jarre sowie an frühe Videogame-Soundtracks erinnern und vermischen diesen Retro-Chic mit der rotzigen Ed Banger Records-Knarzdisco. Trotz eigenständiger Ästhetik war dem Franzosen aber längst nicht so viel Aufmerksamkeit wie seinen Landsleuten Justice, Gesaffelstein oder Kavinsky vergönnt. Dabei legt er auch abseits des Musikalischen äußerst großen Wert auf sein künstlerisches Erscheinungsbild, präsentiert sich auf seinen stets spärlich beleuchteten Gigs als vermummte Gestalt mit Scheinwerfer-Augen irgendwo zwischen Venom aus dem Spiderman-Universum und Watchmens Rorschach. Das Artwork seiner Veröffentlichungen ist einheitlich in einer stilvollen, dunklen Comic-Ästhetik gehalten und auch die Namensgebung von Tracks und Platten folgt einem gleichbleibenden Muster: Die Zahlen im Tracktitel stehen mutmaßlich für die jeweilige Tageszeit ihrer Fertigstellung, während die Bezeichnungen der Releases wohl den übergreifenden Zeitabschnitt ihrer Entstehung repräsentieren – womit das erste Rätsel der EP „July 2013“ zumindest schon mal gelöst wäre. Dennoch bleibt DANGER eine nebulöse Schattenfigur der Electro-Szene Frankreichs, die sich etwa von einem Kavinsky samt dessen karikaturesk überzogenem 80‘s-Hipster-Image unterscheidet – es gibt hier kein Augenzwinkern, das Projekt wird mit entschiedener Ernsthaftigkeit vorangetrieben.

Die Qualität der Musik gibt jedoch wieder wenig Anlass für solch ein Versteckspiel: „July 2013“ ist eine imposante EP, die den filmischen Charakter im Vergleich zu ihren Vorgängern noch deutlich verstärkt. Die vier Tracks werfen Bombast und Dramatik in die Waagschale, ohne dabei in seelenlosen Hochglanzkitsch abzugleiten. „1:09“, das den Synthie-Reigen eröffnet, setzt auf einen beeindruckenden, groß angelegten Aufbau, der rund die Hälfte des Stücks andauert. Spät, also im zweiten Part des Openers kommen dann erstmalig Drums ins Spiel, die den Energielevel noch zusätzlich in die Höhe treiben. Beattechnisch kommt „July 2013“ schwerer und schleppender, fast schon ‚dubsteppiger‘ daher. Doch alle Electro-Connaisseure können an dieser Stelle beruhigt aufatmen, denn mit EDM-Prollmucke, die das Genre kommerziell vergewaltigt zurückließ, hat DANGERs neuestes Werk glücklicherweise nicht viel gemein. „1:13“ und „1:42“ dröhnen zum Beispiel eher in einer Linie mit den Hollywood-Arbeiten Hans Zimmers oder Daft Punks Beitrag zu „TRON: Legacy“. Freilich kann trotzdem nicht jeder mit so einem großspurigen Getöse etwas anfangen, ausgewiesene Minimalisten schon gar nicht, und im Club-Kontext macht die Chose zugegeben vergleichsweise wenig Sinn. Muss sie aber ja auch gar nicht. „1:30“ ist sogar DANGERs bislang möglicherweise mächtigster Track. Mit einer melancholisch-fragilen, leicht verstimmten Synth-Melodie beginnend, die an die Künste eines gewissen Richard D. James denken lässt, detoniert das geradlinige Stück bald darauf mit einer ungemein druckvollen, röhrenden Soundwand, die den Hörer schlichtweg in Ekstase versetzt. Spätestens dann erübrigen sich auch die letzten Zweifel ob der mangelnden Subtilität.

Mit „July 2013“ erweitert das Phantom von Lyon seinen markanten Stil um eine weitere Facette und wagt sich mit den vier Tunes der homogenen EP ein wenig aus der eigenen ‚comfort zone‘ – und es lauern noch viele Gefahren dort draußen.

Tracklist:
01. 1:09 
02. 1:13
03. 1:30 
04. 1:42

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