Review: Detritus – The Very Idea [2014]

Detritus - The Very Idea (Ad Noiseam)[Erschienen bei Ad Noiseam (2014)]

Nacht. Regen. Herbst. Paranoia. Zweifel. Isolation. Melancholie. Das sind einige der Gefühle, Bilder und Zustände, die sich mit der Musik von Detritus verbinden lassen und sich im Kopf des Hörers zu unheilschwangeren Szenarien zusammenfügen. Schwermut und Unbehagen legen sich wie ein Umhang dicht um das Empfindungszentrum, fressen sich sogar immer wieder bis ins Innerste hinein.

In seinem mittlerweile sechsten Album verzichtet Dave Dando-Moore auf eine Neuerfindung seines Sounds und so sind es diesmal eben nicht große Innovationen, die das Salz in der Suppe des erfahrenen Ein-Mann-Projekts ausmachen. „The Very Idea“ fügt sich als schlüssiger Baustein in die Diskographie des Briten ein und macht ziemlich genau dort weiter, wo der Vorgänger „Everyday Explanations“ (2011) aufgehört hat. Bittersüße Klaviermelodien, elektronische Beats im Niedrigtempobereich, präzise ausgearbeitete Texturen, ein atmosphärischer Unterbau aus diversen Samples/Feldaufnahmen (Rauschen, Stimmen, Hintergrundgeräusche…) sowie gelegentlich der Einsatz von E-Gitarren bilden zusammen eine einzigartige, definitiv wiedererkennbare Handschrift. Es ist Dando-Moores Erfolgsrezept, das hier weitestgehend unangetastet bleibt, sich dafür aber in ausgereifter Umsetzung präsentiert. Seine Instrumentalstücke zeichnen sich besonders durch eine Form der Klarheit und Einfachheit aus, sie wirken auf völlig natürliche Weise aufgeräumt und stimmig.

After” und Titeltrack „The Very Idea“ sind solche unnachahmlichen Glanzstücke, wie sie wohl nur Detritus an seinen besten Tagen fabriziert. Dass Dando-Moore seit vielen Jahren Qualität abliefert, aber trotzdem immer noch verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit für seine Musik bekommt, scheint unbegreiflich, gerade wenn man sich Schlüsselmomente wie zum Beispiel das verhaltene, und dennoch eindringliche Crescendo im Finale von „After“ anhört! „Binddagegen stapft schleppend und bedrohlich in die Gehörgänge, sodass man bald einen hochgewachsenen Axtmörder hinter sich wähnt. Bleierne Schwere und Elegie umgibt das ebenfalls großartige „Egress“, das von wunderbaren Gitarrenwänden geradezu niedergedrückt wird – die perfekte Untermalung für eine Gondelfahrt durch das menschenleere Venedig an einem nebligen Novembertag. Nur kurz brechen die Wolken für das harmonische Streicher-Intermezzo „More Than Half“ auf, ehe das mulmige Gefühl in der Magengegend wieder einkehrt. Zu dick und überlang gerät nur „Radial“, dem etwas weniger Geschrammel und mehr kompositorische Finesse gut zu Gesicht gestanden hätte. Ansonsten bleibt wenig Grund zu Kritik. Dass die Tracks eine gewisse Gleichförmigkeit an den Tag legen und solide Titel wie „Steep“, „Blinding“ oder „Bane“ im Gesamtzusammenhang so doch ein wenig routiniert wirken, lässt sich allerdings verschmerzen.

Alles in allem sind hier wieder zu viel Erfahrung, Talent und Hingabe am Werk, als dass dem Unternehmen „The Very Idea“ jemals die Gefahr der Mittelmäßigkeit drohen würde. Detritus versteht sich hervorragend auf die Hörbarmachung seelischer Ausnahmezustände und spielt auch im Jahr 2014 wieder mit gewohnter Klasse auf der Klaviatur des Unglücks. Zum Glück.

Tracklist
01. Bind
02. The Very Idea 
03. Steep
04. Egress 
05. Blinding
06. Radial
07. After 
08. More Than Half
09. Bane
10. Secession
11. After (Remix By Poordream) 

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