Das kenn‘ ich doch irgendwo her… (2)

Daft Punk? Kennt man doch! Around the World, Anime-Filmchen, Robot Rock, Get Lucky… und zuletzt sogar einen Haufen Grammys für die Ärmsten. World Invasion: Check.
Doch lange bevor die amerikanische Musikindustrie den Helmträgern und ihrem Disco-Funk-Revival zu Füßen lag, als French House der neueste Schrei war und Hundewesen mit Radios durch die Großstädte zogen, waren sie durchaus auch mal für härtere Nummern zuständig, bei denen Omi und Opi nicht so leicht mitwippen konnten. Und wenn ich davon spreche, dann meine ich vor allem einen ganz bestimmten Track: Rollin‘ & Scratchin‘ (1997). Ein dumpf-monotoner Stampfbeat, der erst nach einer Weile zum crunchigen Bumm-Tschack ausgebaut wird und kratzig schrille Synthietöne, die teils wie ein mechanisches Zirpen, häufig kompromisslos schabend, aber immer unglaublich roh und brachial über, unter oder zwischen dem Beat Alarm machen, wodurch sie dem Tracktitel alle Ehre machen. Dieses Acid-hafte Geschubber eskaliert im Verlauf des Tracks dann regelrecht, sodass sich Schöngeister alter Schule wahrscheinlich einfach nur die Ohren zuhalten wollen angesichts der elektroakustischen Kakophonie. Gerade deshalb ist Rollin‘ & Scratchin‘ so ein wunderbar nonkonformes Teil, das mit seiner bis ans Stumpfe grenzenden Grobschlächtigkeit und Härte, sowie den effektiv-simplen Bassqualitäten prinzipiell die erste Anspielstation für jeden Subwoofer-Test darstellen sollte.

Dass Boys Noize ein großer Daft Punk-Verehrer ist, die beiden Franzosen zu seinen absoluten Idolen zählt, sollte sich mittlerweile längst rumgesprochen haben. Mitunter äußert sich das auch merklich im Sound, zuletzt etwa bei seinem 2012er Album „Out of the Black„. Es wäre natürlich ein Leichtes gewesen, den Vocoder-geschwängerten Electro von „Touch It“ als eine einzige Daft Punk-Hommage herauszustellen, doch um diesen etwas zu offensichtlichen Schluss geht es hier nicht.

Werfen wir doch lieber stattdessen einen Blick auf „Stop„. Ja genau, das ist der Tune, der schon vom Namen her nach deutscher Maschinenmusik klingt, und nicht nach funkiger Franzosen-Disko. Und siehe da! Ein Techno-Brett, ebenso kompromisslos, synthetisch und rau wie Rollin‘ & Scratchin‘, das zu allem Überfluss auch noch verblüffende konzeptuelle Ähnlichkeit mit Daft Punks Track aufweist, einzig die eingestreuten Sprachsamples scheinen sich von der Vorlage klar abzuheben. „Stop“ kann somit meines Erachtens sogar als äußerst gelungenes 2012er Update durchgehen – und ist natürlich ebenso als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für unterforderte Tieftöner geeignet…

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