Review: Spyros Polychronopoulos – Piano Acts [2013]

Albumcover "Piano Acts"[ROOM40 (2013) / Cover image photograph by Aris Michalopoulos]

Ich muss ehrlich zugeben, dass mir Spyros Polychronopoulos bis vor diesem Release, auf das ich mehr oder weniger zufällig gestoßen bin, nicht bekannt war – eigentlich unbegreiflich bei solch einem markigen Namen.  Recht mühelos ließ sich dazu in Erfahrung bringen, dass der Gute schon auf einen beachtlichen Backkatalog unter dem nicht minder spektakulär klingenden Alias Spyweirdos zurückblicken kann, das er – so mein flüchtiger Eindruck – über die letzten Jahre zum ausgiebigen Experimentieren genutzt zu haben scheint (bei Kennern sei sich hier vorsorglich für meine ungeniert zur Schau getragene Unkenntnis entschuldigt).

Nun also „Piano Acts“: Avantgardistisches in vier Akten – Klavierexperimente und Studiotechnikgefrickel. Unterstützung bei diesem Unterfangen bekommt er von seinem Landsmann Antonis Anissegos, dessen Name mir zuvor ebenso wenig vertraut gewesen ist. Um aber mal von den Beteiligten wegzukommen und sich auf das eigentlich wichtige zu konzentrieren, nämlich die Musik, lässt sich eines vorneweg festhalten: „Piano Acts“ ist ganz sicher kein Stoff für jede Laune und jeden Geschmack. Man muss schon in der richtigen Stimmung sein, sonst verliert man bei den zeitlich enorm ausladenden Kompositionen schnell die Geduld, zumal in jedem Akt, von denen keiner die 9-Minuten-Marke unterschreitet, nur wenig Progression stattzufinden scheint. Sperrig muss man es mögen, dissonant und vor allem sehr repetitiv.

Wenn man den Beiden eines nicht vorwerfen kann, dann ist es mangelnde Konsequenz. Das streng minimalistische Konzept wird von der ersten Sekunde an bis zu den letzten vernehmbaren Tönen durchgezogen. Kurze Pianomelodien wiederholen sich als sture Loops in kurzen Intervallen, immer und immer wieder. Im Hintergrund sind dazu meist leise surrende, pfeifende oder dezent vibrierende Geräusche zu hören. „First Actist vor allem gekennzeichnet durch die auffällige Einbezugnahme von Raum und der so möglich gewordenen Betonung des Nachklangs der Klaviersaiten. Den „Second Act“ machen in erster Linie die höher frequentieren Atmosphäreneffekte auf Dauer zu einem anstrengenden Hörerlebnis mit Frustrationspotential. „Third Act“ markiert mit seiner mysteriösen Grundstimmung im Anschluss dann den stärksten Teil des Albums und könnte immerhin problemlos einen älteren Gruselfilm untermalen. Schräg wird es dabei zuweilen, wenn über das Tastengeklimper ein obskures Säuseln erklingt, oder etwas, das sich nach grotesk schief gespielter Blockflöte anhört. Im abschließenden „Fourth Act“ meint man fast, die Klavieradaption einer kurzen Spielautomatenmelodie in zehnminütiger Dauerschleife hören zu können.

Hinsichtlich der eigenen Bewertungskriterien ergeben sich neue Fragen: Ist „Piano Acts“ unsäglich öde und kreativlos, der überwiegende Verzicht auf variierende Strukturen ein eindeutiges Manko? Oder ist die Wiederholung, so wie sie hier besonders umfassend eingesetzt wird, selbst in dieser Ausprägung noch ein legitimes musikalisches Mittel? Daher gestaltet sich auch ein Urteil darüber schwer, ob es sich um ein Werk handelt, von dem man sich vornehmlich einlullen lässt oder ob man sich diesem sogar mit erhöhter Aufmerksamkeit nähern sollte, um die kleinen Veränderungen in einer ansonsten wenig variablen Struktur umso genauer wahrnehmen zu können. So oder so, ein emotionaler Zugang fällt nicht leicht. „Piano Acts“ ist weitgehend sicher nur etwas für hartgesottene Avantgarde- und Minimal Music-Fans, die geneigt sind, den Stilwillen und Experimentiercharakter klar vor die Hörbarkeit zu stellen.

Tracklist:
01. First Act (With Antonis Anissegos)
02. Second Act (With Antonis Anissegos)
03. Third Act (With Antonis Anissegos)
04. Fourth Act (With Antonis Anissegos)

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