Highlights 2013: Top-Alben

Mit ganz viel Verspätung hat es jetzt endlich auch die Rückschau auf meine persönlichen Highlights des vergangenen Musikjahres online geschafft. Natürlich hat diese kleine Zusammenstellung keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder Vollständigkeit, und es warten sicher noch einige versäumte Werke darauf, nachgeholt zu werden. Dazu passt dann auch meine ziemlich willkürliche Eingrenzung auf eine Top 7, die ich selbstverständlich nur deshalb mit Rangpositionen versehen habe, um etwas künstliche Spannung zu generieren. Oder um es anders zu sagen: hier sind einfach ein paar Alben versammelt, die es nach meinen Maßstäben verdient haben, noch ein mal extra gewürdigt zu werden. Los geht’s!


Platz 7: Justice – Access All Arenas

accessallarenas

Auf dem letzten Studioalbum haben sie meines Erachtens noch ein wenig geschwächelt – die Stadionrock-Anleihen der Franzosen wirkten mir dann doch ein Stück zu glatt und poppig. Doch als Live-Act haben sie scheinbar nichts an Energie eingebüßt, wie dieser Konzert-Mitschnitt beweist. Wunderbar zerstörter Electrosound trifft als übersteuert knarzender Tsunami auf bewährte Ohrwurmqualitäten. Auch die x-te Variation alter Klassiker wie „Phantom“ oder „Genesis“ reißt noch mit… und bei hoher Lautstärke auch die Häuserwände einer ganzen Wohnsiedlung ein.

Platz 6: Ben Lukas Boysen – Gravity

gravity

Allround-Komponist Ben Lukas Boysen ist ja eigentlich besser für elektronische Klangkunst-Großtaten unter seinem Pseudonym Hecq  bekannt, veröffentlichte dieses ruhige Instrumentalalbum aber unter bürgerlichem Namen. Eine Mischung aus minimalistischer Klaviermusik und Ambient, die vornehmlich ätherische und melancholische Gebiete durchstreift. Soundtrack-artig, subtil und durchaus mit Tiefe, aber an entscheidender Stelle wuchtig und kraftvoll. Definitiv für verregnete Tage geeignet. Diese emotional aufgeladene Synthese aus melodischer Schlichtheit und feingeschliffenem Sounddesign macht ihm in dieser Qualität so schnell keiner nach.

Platz 5: 65daysofstatic – Wild Light

65daysofstatic-Wild Light

Diese Band ist schon gut eine Dekade lang aktiv, dank meiner Unwissenheit sind sie für mich aber quasi Newcomer. Ich war einigermaßen überrascht, wie kurzweilig ihre komplett auf Gesang verzichtende Post-Rock-Vision daherkommt, ohne an Dramatik vermissen zu lassen. Das rechne ich dem variantenreichen Gitarreneinsatz, der kompetenten Drum-Programmierung, den gewinnbringenden Keyboard-Parts und anderen gelungenen Gestaltungelementen von „Wild Light“ an, die gemeinsam als flirrend-flächige Aufbauten harmonieren, welche natürlich ganz laut am besten funktionieren.

Platz 4: Nocow – Solus

solus

Sein Future Garage-Geniestreich, das Ruins Tape“, bleibt weiter unerreicht, aber „Solus“ ist ein bemerkenswerter Beweis für das Talent des Musikers aus St. Petersburg. Der Bass Music-Entwurf mit hochauthentischem Oldschool-Anstrich führt einen zurück in das Experimentierfeld der frühen bis mittleren 90er Jahre, als Pioniere wie Autechre, The Future Sound of London oder Aphex Twin neue Maßstäbe in der elektronischen Musik legten. Das heißt: Atmosphärische Tiefe ohne Ende, Lo-Fi-Ästhetik, gebrochene Analog-Rhythmen. Schöner hätten das die eben erwähnten Idole von der Insel auch nicht hinbekommen, Respekt!

Platz 3: Gesaffelstein – Aleph

aleph

Nicht nur die Videoclips der beiden Singleauskopplungen sind ganz große Kunst, auch das dazugehörige Album hat einiges zu bieten. Mike Levy alias Gesaffelstein mag auf Promofotos aussehen, wie einer Parfümwerbung entsprungen, sein unverwechselbar kalter Electro dagegen jagt erst mal eisige Schauer über den Rücken, bevor er einem mit brutaler Härte direkt ins Gesicht schlägt! Abgesehen von roher Maschinengewalt versucht sich der Franzose auf „Aleph ebenfalls erfolgreich an weniger geradlinigen Beats, klassischen Synthiemelodien und sphärischen Klangteppichen.

Platz 2: Prezident – Kunst ist eine besitzergreifende Geliebte

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„Viele rappen, doch er kann et halt“, stimmt genau. Prezident hat mich mit enormer Sprachgewandtheit und Sinn für atmosphärisch dichte Erzählungen begeistert. Im ständigen Kampf mit sich selbst und den Mechanismen der Welt, lässt der notorische Antiheld und Trunkenbold aus Wuppertal mal wieder tief blicken. Erdige Beats und ein dunkles Klangbild runden das Ganze ab. Prädikat: besonders wertvoll.

Platz 1: Boards of Canada – Tomorrow’s Harvest

tomorrow's harvest

Rang Eins ist jetzt keine große Überraschung, er musste einfach an die Spezialisten für psychedelische Downtempo-Experimente gehen. Acht Jahre Lang haben die beiden Schotten an „Tomorrow’s Harvest“ gewerkelt, und das hört man dem Ergebnis auch jederzeit an. Für mich ist es das bisher ausgereifteste Album von BoC, aber auch das bedrückendste. Wie immer werden Schichten über Schichten detailliert bis auf die feinste Nuance gestapelt, mithilfe uralter Elektronik und befremdlichen Samples eigenartige nostalgische Welten mit ambivalenten Stimmungsbildern erschaffen, die sich ganz tief ins Hirn graben. Neu sind aber die vermehrt beunruhigenden Untertöne. Man muss kein verballerter New Age-Hippie sein, um da ins Assoziieren zu geraten. Beim Eintauchen in die mitunter gespenstischen und trostlosen, aber immer auch von verquerer Schönheit geprägten Szenerien mit Titeln wie „Reach for the Dead„, „Cold Earth“ oder „Come To Dust“ bleibt der Vorstellung überlassen, ob hier dramaturgisch perfekt der anstehende Weltuntergang bzw. die Apokalypse im Stillen durchexerziert, oder vielleicht doch der Sterbeprozess eines Individuums seelisch vertont wird. Klingt verschwurbelt, ist aber so.

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  1. Highlights 2014: Top-Alben | UnSoundaesthetics

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